Paulinenpflege

Die Geschichte des Gebäudes auf dem Schlossplatz 14. Unter den vom Stadtbrand 1690 geschädigten Bürgern war auch Johann Wilhelm Klotz. 1695 erbaute er ein dreistöckiges Gebäude mit gewölbtem Keller, Die Initiale “16 I W K 95“ – Johann Wilhelm Klotz 1695 – auf dem Türsturz weisen noch heute auf den Erbauer hin. Das Gebäude wurde über einem steinernen Unterstock in Fachwerk errichtet und mit einem Krüppelwalmdach versehen, eine in der Barockzeit bevorzugte Dachform. In den folgenden Jahrhunderten wechselten die Eigentümer.

1825 kaufte schließlich das Oberamt Kirchheim – heute entspräche dies dem Landkreis –  das Gebäude für 3500 Gulden, um es der Präsidentin des hiesigen Wohltätigkeitsvereins, der Herzogin Henriette von Württemberg, für die Einrichtung einer „Rettungsanstalt für arme verwahrloste Kinder“ zur Verfügung zu stellen. Der Kaufpreis wurde aus Mitteln der Oberamtskasse und aus Almosen des Armenkastens finanziert, wobei die Herzogin die fehlenden 500 Gulden aus ihrer Schatulle beisteuerte.

Zu Beginn des Jahres 1826 wurde die neue Sozialeinrichtung unter dem Namen „Paulinenpflege“ seiner Bestimmung übergeben. Bei der Paulinenpflege handelt es sich nicht um ein Waisenhaus. Der Name "Rettungsanstalt" zeigt schon den Unterschied zu den Waisenhäusern; entscheidend für die Aufnahme der Kinder war die bereits vorhandene oder unmittelbar drohende Verwahrlosung, unabhängig davon ob die Eltern noch lebten oder nicht. So befanden sich unter den ersten 18 Zöglingen der Kirchheimer Paulinenpflege nur eine Voll- und fünf Halbwaisen sowie sieben uneheliche Kinder. In den Jahren nach 1815 gab es, verursacht durch die Napoleonischen Kriege und die folgenden Hungersnöte, eine sehr große Anzahl von bettelnden und umherziehenden Kindern, für deren Unterhalt und Ausbildung sich niemand verantwortlich fühlte. Neben der Herzogin Henriette von Württemberg waren vor allem Dekan Bahnmaler und Oberamtmann von Knapp die treibenden Kräfte der Einrichtung.

Bald erwies sich das Gebäude für die Zahl der aufzunehmenden Kinder aber als zu klein, so dass 1829 das Nachbarhaus Schloßplatz 16 dazuerworben wurde. Im Jahre 1840 reichten auch diese Räumlichkeiten nicht mehr aus und das Komitee der Paulinenpflege entschloss sich, das Gebäude Alleenstraße 74 zu kaufen und die Paulinenpflege dorthin übersiedeln zu lassen. Das Gebäude auf dem Schlossplatz befand sich fortan in Privatbesitz. Zwischen 1935 und den 1950er Jahren war hier kurzzeitig die Entbindungsanstalt Margarethenheim untergebracht.