Altes Forstamt

Das Alte Forstamt ist nicht nur eines der schönsten, es ist auch eines der spannendsten Gebäude der Stadt. Das heutige Gebäude entstand, wie die meisten anderen Gebäude der Altstadt, erst nach dem Stadtbrand von 1690.

Bereits vor der Reformation, im Spätmittelalter, stand in etwa auf diesem Grund und Boden eine Gebäude, in dem der Kaplan der Siechenkapelle Sankt Katharina wohnte. Da dieser Kaplan geistliche Pfründe, also Erträge in finanzieller oder materieller Form erhielt,  bezeichnete man ein solches Haus auch als Pfründehaus. Mit der Reformation änderte sich auch die „Glaubenstopografie“ Kirchheims – viele Kirchen und Kapellen verschwanden und Pfründe waren abgelöst. Auch unser Gebäude am Schlossplatz erhielt eine neue Funktion.

Seit 1558 diente es als Deutsche Schule, also als Volksschule für die Kinder der Bauern und einfachen Handwerker. Links und rechts der Deutschen Schule befanden sich eingezäunte Plätze, in denen das Brennholz für das Schloss aufgestapelt war, die sogenannten „Schlossholzgärten“.

Nach dem Stadtbrand wurde 1693 das ganze Areal für den Neubau der „Obervogteibehausung“ zusammengefasst. Der Obervogt war der höchste herzogliche Beamte des regionalen Verwaltungsgebietes. Dieser sollte eigentlich fortan in diesem Haus residieren. Die neu erbaute Obervogtei nutzte aber zunächst nicht der Obervogt, sondern der für die Verwaltung der herzoglichen Güter und Finanzen im Amt zuständige  Keller Hans Ulrich Fritzlin als Wohnort. Das stattliche Haus blieb folglich bis zur Auflösung der Kellerei zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine „hochfürstliche Kellerei“. Lediglich kurzzeitig residierte hier tatsächlich ein Obervogt.

Seit etwa 1841/42 wurde das Haus auch als „Cavaliersgebäude“ bezeichnet. Mit dem Begriff Kavalier war in jener Zeit nicht zwingend ein höflicher Gentleman gemeint, der sich Frauen gegenüber betont zuvorkommend verhielt, wie dies im heutigen Sprachgebrauch der Fall ist. Vielmehr konnte damit ein adliger Mann bezeichnet werden, das als Diener mit besonderen Aufgaben ausgestattet war, wie es in unserem Kirchheimer Kavaliersgebäude der Fall gewesen ist. Als nämlich 1811 der sogenannte „Schuldenherzog" Ludwig, ein jüngerer Bruder König Friedrichs von Württemberg, mit seiner Familie ins Kirchheimer Schloss einzog, wurde ihm ein „Aufpasser“ an die Seite gestellt. Dieser „Aufpasser“ war der Oberst Carl von Mylius, der den ersten Stock des ehemaligen Kellereiamtsgebäudes bezog, von wo er die meisten Vorgänge um das Schloss herum beobachten konnte. Als der Schuldenherzog Ludwig bereits 1817 starb, behielt dessen Witwe, Herzogin Henriette, den Oberst als Hofkavalier und Reisemarschall bis zu seinem Tod im Jahre 1832 in ihren Diensten.

Seit 1853 nutzte dann die staatliche Forstverwaltung das Gebäude als Revieramt und von 1902 bis 2006 als Forstamt. Aus dieser Zeit hat das Gebäude auch seinen heutigen Namen – „Altes Forstamt“ und auch das Geweih über dem Eingang ist ein Zeugnis dieser Vergangenheit. Seit 2006 befindet sich das liebevoll renovierte Haus in Privatbesitz.

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