Stadtnachricht

Rede von Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader beim Friedensgebet auf dem Marktplatz am 26.02.2022


Portrait von Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader

Rede von Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader

Seit einigen Tagen herrscht Krieg in Europa. Die Selbstverständlichkeit von Frieden, Sicherheit und Freiheit in Europa ist verschwunden. Wir sehen Bilder von Kämpfen und Explosionen, von Flüchtenden - Familien mit Kindern, alten Menschen, Menschen, die in U-Bahn-Stationen Schutz suchen. Wir sehen Leid und Verzweiflung. Und all das ist wohl erst der Anfang!

All das macht uns betroffen und lässt uns ungläubig zurück. Fassungslos. Ohnmächtig. Traurig. Wütend.

Wir sind sprachlos angesichts der Brutalität, mit der ein Volk angegriffen wird - ohne Rechtfertigung, aufgebaut auf einem Lügenkonstrukt.

Wir sind sprachlos, wie die in den letzten Jahrzehnten aufgebaute und durch internationale Verträge gesicherte Weltordnung, die uns seit dem Zweiten Weltkrieg Frieden und Sicherheit garantiert hat, missachtet und mit Füßen getreten wird.

Wir sind sprachlos, wie ein souveräner Staat jederzeit und ohne Grund angegriffen wird und dass statt internationalem Recht plötzlich das Recht des Stärkeren gilt.

Wir sind sprachlos, aber wir sind nicht stumm. Wir erheben unsere Stimme gegen Gewalt und Vernichtung, für Frieden und Freiheit.

Freiheit war noch nie zum Nulltarif zu habe. Der Kampf für Freiheit hatte schon immer einen Preis. Das zeigen die Kämpfe in der Ukraine. Das zeigen aber auch die vielen mutigen Demonstranten in Russland, die für ihre Meinung, für ihre Ablehnung des Krieges auf die Straßen gehen - mit allen Konsequenzen. Viele sehen den Angriff auf die Ukraine als Schande und schämen sich für ihren Präsidenten – dazu haben sie allen Grund.

Wir müssen uns fragen, welchen Preis wir bereit sind, für die Freiheit in der Ukraine und in Europa zu zahlen. Die Menschen in der Ukraine sind bereit, ihr Leben dafür zu riskieren. Ich bin der Auffassung, dass wir bereit sein müssen, den Preis, den der Ausschluss von Russland aus SWIFT für uns bedeutet, zu tragen. Es ist ein finanzieller Preis, eine wirtschaftliche Belastung. Aber ich halte es für das Mindeste, dass wir bereit sind, diesen Preis zu zahlen, um die Ukrainerinnen und Ukrainer in ihrem Kampf um Freiheit zu unterstützen.

Denn wir müssen mit aller Deutlichkeit und Unmissverständlichkeit zeigen, dass sich Krieg niemals lohnt!

Viele Menschen fliehen nun aus der Ukraine. Wir erleben momentan eine große Hilfsbereitschaft, diese Menschen zu empfangen und aufzunehmen. Das möchte ich diesen Menschen auch für unsere Stadt zusichern: wir sind nicht nur in Gedanken bei euch, sondern offenen Herzens bereit, euch zu helfen. Wir werden für euch da sein, wenn ihr unsere Hilfe braucht.

Wir sind heute Abend zum gemeinsamen Gebet zusammen gekommen. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine - bei den Menschen, denen in diesem Augenblick großes Leid widerfährt, bei den Menschen, die auf der Flucht sind, oder in Kellern Schutz suchen.

Wir stehen solidarisch zu den Menschen in der Ukraine: mit unseren Gedanken und in unseren Herzen.