Stadtnachricht

Unterwegs mit dem Streetworker: Aufsuchende Jugendarbeit in Kirchheim unter Teck


Herausforderungen der Corona-Krise

„Die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen ist enorm wichtig. Deshalb muss es Anlaufstellen und Ansprechpartner für junge Menschen geben, die sie verstehen, unterstützen und auch für sie einstehen können“, betont Ries. „Durch die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen während der Corona-Pandemie war das nicht immer einfach.“ Unterstützung erhält der Sozialarbeiter von den Kolleginnen und Kollegen des Mehrgenerationenhauses LINDE.

Über den Instagram-Account @streetwork_unter_teck und per WhatsApp hält der gelernte Jugend- und Heimerzieher den Kontakt zu den Jugendlichen, die nicht zu den Präsenzangeboten erscheinen. „Dort informieren wir, wann und wo wir unterwegs sind und machen Werbung für unsere Freizeitangebote“, erklärt Ries. „Einige nutzen diese Möglichkeit auch, um Kontakt zu suchen, wenn sie Gesprächsbedarf haben oder Unterstützung benötigen.“

Zugang zur Zielgruppe in deren Lebenswelt

Bei der mobilen Jugendarbeit kommt es darauf an, sich direkt in den Lebensraum der Zielgruppe zu begeben. Meist sind das öffentliche Plätze wie Bahnhöfe, Parks, Schulhöfe und Sportplätze. „In Kirchheim unter Teck erfolgt die Aufsuchende Jugendarbeit mobil und flexibel rund um die Treffpunkte von jungen Menschen, aktuell vor allem am Campus Rauner und an der Alleenschule“, erklärt Ries.

Momentan gibt es zwei Angebote zur Freizeitgestaltung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 14 und 27 Jahren, die regelmäßig vom Streetworker durchgeführt und genutzt werden:

Der offene Treff im Chilli-Container an der Alleenschule hat jeden Dienstag ab 18:00 Uhr geöffnet, bei Bedarf auch häufiger. Dort gibt es die Möglichkeit für Jugendliche ab 16 Jahren, Kontakte zu knüpfen, ins Gespräch zu kommen oder vom Alltag abzuschalten. „Hierfür stehen beispielsweise ein Billardtisch, eine Dartscheibe und Tischkicker zur Verfügung“, so Ries.

Der Chilli-Container bietet einen geschützten Raum für Beratung und Kontaktgespräche. Regelmäßig sind weitere Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner der Jugendhilfe vor Ort, um Jugendliche beispielsweise bei der Ausbildungssuche zu unterstützen - oder auch mal einen Grillabend zu organisieren.

Seit Mitte Oktober gibt es außerdem jeden Donnerstag die Möglichkeit, beim Midnightsport in der Konrad-Widerholt-Halle von 18:30 bis 22:00 Uhr trotz der kalten Jahreszeit sportlich aktiv zu sein. Das Angebot richtet sich an Personen ab 14 Jahren. Es ist gewollt, dass Kooperationspartner und Vereine in Abstimmung mit den Jugendlichen verschiedene Sportaktivitäten anbieten. Welche Sportarten angeboten werden, wird tagesaktuell mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern abgestimmt.

Ansprechpartner für nahezu alle Lebenslagen der Jugendlichen

Gerade der Chilli-Container ist zu einer beliebten Anlaufstelle der Jugendlichen geworden. „Hier sind mindestens ein Dutzend Jugendliche regelmäßig anzutreffen, auch wenn man nie vorhersagen kann, wie viele über den Abend verteilt kommen“, so Ries.

Die Jugendlichen schätzen die Angebote und die Aufmerksamkeit, die ihnen geschenkt wird. Beinahe 200 Jugendliche konnten bisher durch die Arbeit des Kirchheimer Streetworkers erreicht werden. Als Streetworker ist er Ansprechpartner der Jugendlichen bei allen sozialen Problemlagen. Hilfestellung bei Fragen rund um Behördenangelegenheiten und Berufsorientierung sind ebenso Teil seiner Arbeit wie das Schlichten von Konflikten und die Aufklärung zu Themen wie Kriminalität, Alkohol- und Drogenkonsum, Liebe und Geschlechtsverkehr oder verfügbaren Sport- und Freizeitangeboten.

Mobile Jugendarbeit zeigt Wirkung

Wie wichtig und wirksam die mobile Jugendsozialarbeit ist, zeigen nicht nur die positive Resonanz unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, sondern auch Rückmeldungen aus Gesprächen mit der Kirchheimer Polizei. So hat es beispielsweise einen Rückgang beim Thema Vandalismus an der Alleenschule gegeben. „Die Jugendlichen beschäftigt am meisten, dass sie sich von Erwachsenen nicht geachtet und geschätzt fühlen“, erklärt Ries. „Für sie ist es wichtig, Orte zu haben, an denen sie ungestört Freunde treffen und ihre Freizeit verbringen können. Hierfür wünschen sie sich mehr Verständnis von Stadt und Behörden.“

Pilotprojekt „Streetwork“ bis 2025 verlängert

Mit dem Gemeinderatsbeschluss vom 7. Oktober 2020 zur Bekämpfung und Vermeidung von Vandalismus auf Schulhöfen wurde entschieden, die Stadtverwaltung mit der Durchführung eines zunächst einjährigen, bis Mai 2022 befristeten Pilotprojektes zu Streetwork auf den Schulhöfen und vergleichbaren Anlagen zu beauftragen. In der Gemeinderatssitzung vom 15. Dezember 2021 hat der Gemeinderat einstimmig (bei einer Enthaltung) entschieden, das Projekt um drei Jahre zu verlängern und für 2022 um eine weitere Stelle mit einem Umfang von 50 Prozent zu erweitern.

Streetworker Jean-Pierre Ries vor dem Billardtisch im Chilli-Container an der Kirchheimer Alleenschule.

Pressemitteilung Nr. 301/21 vom 16.12.2021