Stadtnachricht

Zweite Chance für Lebensmittel: Neuer „Fairteiler“ von foodsharing Kirchheim unter Teck eingeweiht


foodsharing-Netzwerk im Aufwind

„Im letzten Jahr konnten wir die Anzahl der mit uns kooperierenden Lebensmittelbetriebe mehr als verdoppeln“, erklärt Maria Scheiding, foodsharing-Botschafterin des Bezirks Kirchheim unter Teck. Der bestehende Fairteiler an der Sultan-Ahmet-Moschee in der Lohmühlegasse stieß deshalb mit seinem Platzangebot allmählich an seine Grenzen. „Wir hatten zudem bisher keine Möglichkeit, die bei den Abholungen geretteten Kühlwaren weiterzugeben. Der neue Standort mit Kühlschrank ist daher eine ideale Ergänzung zum bestehenden Angebot.“

Michael Breiter von der Evangelisch-methodistischen Kirche wurde über einen Facebook-Beitrag auf „foodsharing“ aufmerksam und bot daraufhin den Eingangsbereich der Zionskirche in der Armbruststraße als Standort für einen zusätzlichen Kirchheimer Fairteiler an. „Wir engagieren uns schon seit längerer Zeit für nachhaltige Projekte, insofern passt foodsharing hervorragend zu uns“, betont er.

Da der Standort zwar überdacht, aber ansonsten nicht wettergeschützt ist, wurde eine Umhausung für den Fairteiler benötigt. Die Stadt Kirchheim unter Teck hat hierfür die Materialkosten übernommen, den Aufbau wiederum übernahmen die Lebensmittelretterinnen und -retter aus dem Bezirk. Der Kühlschrank wird vom Kirchheimer Gastronomen Michael Holz im Sinne der Ressourcenteilung vorübergehend zur Verfügung gestellt. Holz unterstützt foodsharing seit 2020 in verschiedenen Bereichen und war von der Idee sofort überzeugt.

Fairteiler als zweite Chance für Lebensmittel

Seit der Inbetriebnahme des Fairteilers Ende März werden dort wöchentlich etwa 50 bis 80 Kilogramm gerettete Lebensmittel weitergegeben. Der Zuspruch ist enorm: Über eine WhatsApp-Gruppe informieren die Foodsaverinnen und Foodsaver regelmäßig über neue Zugänge im Fairteiler. „Meistens sind die Lebensmittel innerhalb kürzester Zeit komplett verteilt und bekommen so ihre zweite Chance“, freut sich Scheiding.

Die Lebensmittel werden regelmäßig von den registrierten Helferinnen und Helfern von foodsharing Kirchheim unter Teck bei den Kooperationsbetrieben abgeholt und in die Fairteiler gebracht. Grundsätzlich werden alle noch verzehrbaren Lebensmittel gerettet - in vielen Fällen handelt es sich um Frischwaren wie Obst und Gemüse, die aufgrund optischer Mängel von den Betrieben aussortiert wurden. Bei den geretteten Kühlwaren wie beispielsweise Molkereiprodukte, Frischteig- oder Wurstwaren ist meist nur das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten.

„Das Haltbarkeitsdatum ist lediglich ein vom Hersteller festgelegtes Datum, bis zu welchem die Qualität des Produktes garantiert wird“, erläutert Maria Scheiding. „Das hat erst einmal nichts damit zu tun, ob das Lebensmittel noch verzehrt werden kann oder nicht. In vielen Fällen ist das Produkt auch einige Zeit nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch völlig in Ordnung und genießbar.“ Nicht in den Fairteiler dürfen hingegen Produkte, die mit einem Verbrauchsdatum versehen sind. In diese Kategorie fällt beispielsweise rohes Fleisch. Im Gegensatz zum Mindesthaltbarkeitsdatum ist das Verbrauchsdatum der Stichtag, ab dem das Lebensmittel nicht mehr verkauft werden darf, weil es eine Gefahr für die Gesundheit darstellen könnte. Auch alkoholische Getränke und sogenannte Energydrinks sind im Fairteiler tabu. Der Verteiler werden regelmäßig befüllt und täglich kontrolliert und gereinigt. Überlagerte Lebensmittel werden sorgfältig aussortiert, auch die Temperatur des Kühlschranks wird überprüft und dokumentiert.

Foodsaver Heiko Weber, foodsharing-Botschafterin Maria Scheiding und Michael Breiter von der Evangelisch-methodistischen Kirche Kirchheim unter Teck bei der Einweihung des neuen Fairteilers an der Zionskirche in der Armbruststraße.

Foodsaver Heiko Weber, foodsharing-Botschafterin Maria Scheiding und Michael Breiter von der Evangelisch-methodistischen Kirche Kirchheim unter Teck bei der Einweihung des neuen Fairteilers an der Zionskirche in der Armbruststraße. (Foto: foodsharing Kirchheim unter Teck)

Hintergrundinformationen: foodsharing Kirchheim unter Teck

Beim foodsharing kann jeder mitmachen. Die Fairteiler sind frei für alle zugänglich und jeder kann sich bedienen. Wer sich aktiv engagieren möchte, kann sich als Foodsharer:in auf der Plattform www.foodsharing.de registrieren, ein Quiz absolvieren und drei betreute Einführungsabholungen durchführen. Anschließend wird ein foodsharing-Ausweis ausgehändigt – die Foodsaver:innen sind dann berechtigt, sich auf der Plattform in sogenannte „Abhol-Slots“ einzutragen und können zu den vereinbarten Zeiten Lebensmittel bei den kooperierenden Betrieben retten.

Der foodsharing-Bezirk Kirchheim unter Teck wurde im Jahr 2015 von Raphael Fellmer ins Leben gerufen, einem der Gründer von foodsharing. Aktuell sind 221 Foodsaver:innen registriert, und es bestehen 19 laufende Kooperationen mit Lebensmittelbetrieben. Zu den Betrieben gehören kleine Bäckereien, Tankstellen, Einzelhandelsbetriebe, Restaurants und Supermärkte, seit Ende 2020 aber beispielsweise auch die Schulkantine auf dem Freihof-Areal in Kirchheim unter Teck.

Insgesamt wurden im Rahmen von mehr als 2.000 Einsätzen über 32 Tonnen Lebensmittel gerettet und geteilt. Foodsharing leistet somit auf lokaler Ebene einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit im Umgang mit Lebensmitteln und zum Klimaschutz. Im Herbst 2020 gewannen die vier foodsharing-Bezirke Esslingen, Kirchheim unter Teck, Wendlingen und Fildern-Nürtingen gemeinsam den Ehrenamtspreis „Starke Helfer“ von Kreisparkasse und Esslinger Zeitung.

Interessierte können sich für weitere Informationen direkt an foodsharing Kirchheim unter Teck wenden - per E-Mail an kirchheim-teck@foodsharing.network, oder in den sozialen Netzwerken unter www.facebook.com/foodsharingKirchheim und www.instagram.com/foodsharing.kirchheimunterteck.

Pressemitteilung Nr. 090/21 vom 04.05.2021