Stadtnachricht

Ergebnis der Unternehmerbefragung zu den Auswirkungen der Corona-Krise in Kirchheim unter Teck


Ziel dieser Umfrage war es, ein Stimmungsbild bezüglich der Auswirkungen und Maßnahmen in der Corona-Krise unter den Unternehmern in Kirchheim unter Teck zu erstellen. Die Umfrage wurde vom 25. Mai bis zum 2. Juni durchgeführt. Von den etwa 900 befragten Unternehmern meldeten sich 192 zurück, was einer Rücklaufquote von etwa 20 Prozent entspricht.
 
Gute Noten für Verbände und Stadtverwaltung
 
Die Unternehmen stellen der Stadtverwaltung und den Unternehmerverbänden ein gutes Zeugnis für ihre Arbeit aus. Die Bewertung erfolgte in Schulnoten und liegt jeweils bei 2,4. Die Arbeit der Bundesregierung (2,8) und der Landesregierung (2,8) liegen jeweils leicht darunter.
 
Auffallend bei der Bewertung der Unternehmerverbände ist, dass die eigenen Mitglieder deutlich zufriedener mit dem Verband sind, als Nicht-Mitglieder die Verbandsarbeit einschätzen. So bewerten Mitglieder des City Rings ihren Verband mit Schulnote 1,9 - die BDS-Mitglieder vergaben eine  2,1.
 
Krise betrifft nahezu alle Unternehmen über alle Branchen hinweg
 
Nahezu alle Unternehmen sind durch die Corona-Pandemie getroffen. 73 Prozent aller Befragten klagen über einen Umsatzrückgang, 52 Prozent über Mehraufwendungen für notwendige Hygienemaßnahmen.
 
Wie im Bundestrend sind in Kirchheim unter Teck die Gastronomie/Hotellerie und der Handel besonders stark getroffen: 91 Prozent der befragten Gastronomiebetriebe und Hotels sowie 80 Prozent der Handelsbetriebe, aber auch 61 Prozent der Dienstleister sind von einem Umsatzrückgang betroffen. Die Ausgaben für Hygienemaßnahmen liegen mit 68 Prozent in der Gastronomie und 62 Prozent im Handel überproportional hoch.
 
Im Handwerk sind hingegen nur 48 Prozent der befragten Betriebe von einem Rückgang betroffen – die Situation muss hier jedoch differenziert betrachtet werden, da beispielsweise Friseurbetriebe und Autohäuser von der Krise überdurchschnittlich stark betroffen sind, während das Bauhandwerk überwiegend noch in volle Auftragsbücher blicken kann.
 
Besorgniserregend ist auch der Blick auf die Industriebetriebe: Dort klagen 90 Prozent über einen Umsatzrückgang. Die Entwicklung in den vergangenen drei Monaten (März bis Mai) droht, sich zu verschärfen: Lag die Höhe des Umsatzrückgangs im März noch bei durchschnittlich 24 Prozent, steigerte sich dieser im April auf 30 Prozent und im Mai auf bis zu 36 Prozent.
 
Fast nur Verlierer im Blick auf das Gesamtjahr
 
Ein Blick auf das erwartete betriebswirtschaftliche Ergebnis im Gesamtjahr offenbart das Ausmaß der Einschnitte: 81 Prozent der beteiligten Unternehmen rechnen mit einem geringeren Ergebnis als im Vorjahr, 28 Prozent rechnen sogar mit einem Verlust.
 
Auch hier sind Gastronomie und Handel überdurchschnittlich betroffen: In der Gastronomie erwarten 45,83 Prozent der Befragten einen Verlust, im Handel sind es 35,56 Prozent.
 
Kurzarbeit und Abbau von Arbeitszeitkonten
 
Auch in Kirchheim unter Teck sind die Kurzarbeit und der Abbau von Arbeitszeitkonten bzw. Resturlaub das meistgenutzte Mittel: 52 Prozent aller Betriebe haben Kurzarbeit angemeldet oder haben dies vor. Zuvor wurden bei der Hälfte aller Betriebe Überstunden und Resturlaub abgebaut, bei 6 Prozent der Umfrageteilnehmer ist diese Maßnahme noch in Planung.
 
Harte Einschnitte gab es auch für die Mitarbeiter: Ein Viertel aller Betriebe hat Mitarbeiter in den Zwangsurlaub geschickt oder plant, dies zu tun, bei einem Drittel stehen Kürzungen von freiwilligen Gratifikationen auf dem Plan. Etwa ein Fünftel setzt sich außerdem mit dem Thema Kündigungen auseinander.
 
Als positives Zeichen kann aber gewertet werden, dass nur 5 Prozent der Unternehmen plant, duale Ausbildungsplätze zu reduzieren.
 
Viele Pläne werden derzeit über den Haufen geworfen
 
Über die Hälfte der Betriebe hat Firmenveranstaltungen (intern und extern) abgesagt oder beschäftigt sich mit der Absage, noch drastischer ist die Situation bei geplanten Investitionen: Knapp ein Drittel hat bereits Investitionen verschoben, ein weiteres Drittel plant dies zu tun.
 
Diese Maßnahmen erscheinen in Anbetracht der betriebswirtschaftlichen Situation unabwendbar. Allerdings ziehen vor allem die Verschiebung von Investitionen weitere negative Auswirkungen nach sich, gibt es doch eine starke Abhängigkeit zwischen der Investitionsfähigkeit und der eigenen Zukunftsfähigkeit einerseits und der Auftragssituation anderer lokaler Unternehmen andererseits.
 
Die Hälfte der Befragten hat Zuschüsse beantragt
 
Etwa 50 Prozent der Unternehmen haben Zuschüsse beantragt, von denen 42 Prozent diese bereits erhalten haben. Mehr als 30 Prozent haben Sozialversicherungsbeträge, Steuern etc. gestundet oder eine Stundung beantragt. Dieser Trend spiegelt sich auch in den Forderungen der Unternehmer: 45 Prozent der Befragten fordern weitere, nicht zurückzahlbare Zuschüsse, 60 Prozent die Reduzierung von Steuern und Beträgen. Fast die Hälfte (48 Prozent) fordert die Reduzierung von bürokratischen Auflagen. Zu den weiteren Forderungen zählen besserer Zugang zu Krediten (15 Prozent), gebündelte Informationen über Unterstützungsangebote (21 Prozent) oder geförderte Betriebsberatungen (6 Prozent) – lediglich 17 Prozent sind der Meinung, dass keine weiteren Unterstützungsmaßnahmen notwendig sind.
 
Unternehmerverbände zeigen sich verhalten optimistisch
 
„Durch Kurzarbeit und Soforthilfe-Antrag konnten viele betroffene Unternehmer die negativen finanziellen Auswirkungen der Corona-Krisen bisher zu einem Teil abfangen. Trotzdem fallen immer wieder Betroffene durch das Unterstützungsraster oder die Einbußen sind weit größer als die Hilfen. Nur eine schnelle Beseitigung von Corona-Schutzmaßnahmen und bürokratischen Hürden wird gezielt diejenigen entlasten, die am meisten unter der Corona-Krise leiden“, erklären Robert Schmid und Karl-Albrecht Einselen, die Doppelspitze des BDS in Kirchheim.
 
„Die Umfrage zeigt deutlich, dass die Corona-Krise und der damit verbundene Lockdown die Mitglieder des City Rings überproportional stark getroffen haben. Die kurzfristigen Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung haben im Durchschnitt recht gut gegriffen, können jedoch in vielen Fällen bei weitem die gravierenden Umsatzausfälle nicht auffangen. Deshalb sind gezielte Hilfen notwendig. Seit Öffnung der Gastronomiebetriebe hat die Kundenfrequenz in unserer wunderschönen Innenstadt wieder deutlich zugenommen. Das ist sicherlich auf unseren gesunden Branchenmix und auf unsere intakte Innenstadt zurückzuführen. Dies kann uns wieder optimistisch in die Zukunft blicken lassen“, resümieren die Vorsitzenden des City Rings Kirchheim e.V., Karl-Michael Bantlin und Jochen Nägele.
 
„Das Ergebnis der Unternehmerbefragung zeichnet ein authentisches Stimmungsbild und bestätigt die Erfahrungen aus den vielen individuellen Gesprächen mit Unternehmern und Wirtschaftsvertretern seit Beginn der Krise“, sagt Saskia Klinger, Wirtschaftsförderin der Stadt Kirchheim unter Teck. „Gleichzeitig beobachten wir aber auch eine große Kreativität und verstärkte Solidarität unter den Unternehmern.“
 
„Corona hat den Unternehmen in Kirchheim unter Teck in nahezu allen Branchen stark zugesetzt. Wir sind mit der Corona-Hotline der Wirtschaftsförderung und einem Netzwerk von ehrenamtlichen Beratern aktiv, um die lokale Wirtschaft in der Corona-Krise bestmöglich zu unterstützen“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader.
 
Pressemitteilung Nr. 122/20 vom 17.06.2020