Stadtnachricht

100 Tage im Amt - Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader zieht erste Bilanz


Portrait von Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader

Sie stehen nun bereits 100 Tage an der Spitze der Stadtverwaltung – wie fühlen Sie sich?

Die letzten Wochen sind wie im Flug vergangen. Sind es wirklich schon 100 Tage? Es war eine sehr intensive erste Zeit. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich auf eine sehr gute Mannschaft in der Stadtverwaltung bauen kann und die Arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen bereitet mir große Freude.

Das Thema Corona hat Sie ja direkt zum Amtsantritt in Beschlag genommen. Wie ist es, im „Krisenmodus“ starten zu müssen?

Ich habe mir die ersten Wochen natürlich anders vorgestellt. Es gibt schönere Einstiege, als noch während der ersten Kennenlern- und Antrittsbesuche bei den verschiedenen Abteilungen im Haus und bei Vereinen, Parteien und Gruppierungen von einer Pandemie überrollt zu werden. Telefonate und Videokonferenzen haben das nur bedingt ausgleichen können.

Dieser direkte Austausch mit den Menschen ist mir grundsätzlich sehr wichtig und wäre gerade zu Beginn meiner Amtszeit mit eine meiner obersten Prioritäten gewesen. Die Zusammenarbeit und das Verständnis füreinander funktioniert mit einer anderen Leichtigkeit, wenn man sich schon einmal persönlich kennengelernt hat und sich gegebenenfalls ein Bild der Situation vor Ort verschaffen konnte.

Ihr Eindruck - wie hat sich die Stadt Kirchheim unter Teck in Zeiten der Pandemie bisher geschlagen?

Wir mussten vor allem in den ersten Wochen viele Entscheidungen in einer von großer Unsicherheit geprägten Zeit treffen. Es gab zahlreiche Sitzungen und Beratungen im Verwaltungsstab und innerhalb der Verwaltungsspitze, um zu besprechen, was für Vorkehrungen und Maßnahmen wir für unsere Stadt treffen müssen. Insgesamt haben wir aus meiner Sicht eine gute Figur gemacht und es wurde schnell und richtig reagiert.

Ich finde es beachtlich, was wir in den letzten Wochen innerhalb kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben: angefangen von den verschiedenen Corona-Hotlines, Unterstützungsangeboten für Gastronomen und andere Gewerbetreibende, die Koordinierung der Notbetreuung an Schulen und Kindergärten, aber auch beispielsweise die Online-Terminvereinbarung im Bürgerservice, die hervorragend funktioniert.  

Es gab aber auch Kritik...

Ich denke, die gibt es immer. Aber das ist auch in Ordnung, weil sie uns andere Perspektiven aufzeigt und dazu bringt, das eigene Handeln zu überdenken. Wenn die Kritik konstruktiv ist, bin ich immer bereit, sie anzunehmen - weil sie einem hilft, es in Zukunft besser zu machen.

Können Sie der Krise etwas Positives abgewinnen?

In Krisenzeiten rückt man stärker zusammen. Es ist ein Arbeiten wie unter einem Brennglas. Man sieht recht schnell, was gut funktioniert aber auch, wo es klemmt.

Auch die Kirchheimerinnen und Kirchheimer können stolz auf sich sein. Ich glaube, wir sind hier trotz aller Widrigkeiten und notwendigen Einschränkungen sehr vernünftig mit der Situation umgegangen.

Gab es in ihrer bisherigen Amtszeit abseits von Corona Überraschungen – sowohl gute als auch schlechte?

(Er überlegt kurz.) Ich war mir nach dem Wahlkampf zunächst nicht sicher, wie sich die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat anlassen würde. Im Endeffekt war meine Sorge jedoch völlig unbegründet. Ich wurde über die Fraktionsgrenzen hinweg gut aufgenommen und nehme den Gemeinderat als sehr konstruktives Gremium wahr, die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut.

Es gab aber auch unangenehme Überraschungen. Ich war kaum ein paar Tage im Amt, da gab es bereits die ersten Drohungen mir gegenüber per Post und in den sozialen Medien. Es gibt Dinge, die sind indiskutabel, vor allem wenn sie unter dem Deckmantel der Anonymität geschehen.

Können Sie einen Ausblick wagen? Wie wird es Kirchheim nach der Krise gehen?

Die Stadt steht, was die Liquidität betrifft, gut da, auch wenn die Krise sich natürlich bemerkbar macht. Nach aktueller Schätzung werden uns etwa zehn Millionen Euro an Steuereinnahmen fehlen und damit ein Drittel der zu Jahresbeginn noch erwarteten Steuereinnahmen für dieses Jahr. Die Corona-Hilfsgelder vom Land reichen kaum aus, um die ausgefallenen Kindergartengebühren zu ersetzen. Wir haben aber die Hoffnung, dass sich die Situation für die Unternehmen wieder deutlich aufklart und diese sich bis in den Herbst wieder ein Stück weit erholen können.

Was passiert, wenn das nicht der Fall ist?

Wir werden gemeinsam mit dem Gemeinderat überlegen, welche Investitionen wir auf den Prüfstand stellen müssen und welche Projekte zeitlich gestreckt werden können. Da müssen dann Prioritäten gesetzt werden.

Gab es neben Corona in den letzten 100 Tagen noch weitere Themen?

Zum Glück ja! Im Klimaschutz starten wir ein Projekt mit den Kirchheimer Schulen; beim Teckschlüssel, dem digitalen Gesicht der Stadt, sind wir deutlich weiter gekommen; die Kindergartenentwicklungsplanung steht kurz vor dem Abschluss, ebenso das Stadtgeschwindigkeitskonzept. Beim Digitalpakt für Schulen wollen wir bis Jahresmitte die ersten Förderanträge einreichen. Bei anderen Themen, wie dem Radwegekonzept für die Stadt oder der Initiative „Sauberes Kirchheim“ wollen wir bis zu den Sommerferien erste Ideen entwickeln.

Hat ihre Familie noch etwas von Ihnen?

Bislang gibt es noch keine Beschwerden. Meine Familie ist mir sehr wichtig. Ich versuche, mir immer wieder Zeit für die Familie frei zu halten; bislang funktioniert das auch recht gut. Allerdings liegt das im Moment auch daran, dass viele Abendveranstaltungen und Wochenendtermine wegen Corona ausgefallen sind.


Das Gespräch führte Robert Berndt.