Stadtnachricht

Der Gemeinderat wendet sich mit offenem Brief an die Kirchheimerinnen und Kirchheimer


Blick vom Rathausturm über die Kirchheimer Innenstadt in Richtung Teck

Liebe Kirchheimer Mitbürgerinnen und Mitbürger,


mit diesem offenen Brief möchten wir, die Kirchheimer Stadträtinnen und Stadträte, auch in der aktuellen Situation der Corona-Krise gerne mit Ihnen in Kontakt bleiben. Uns ist bewusst, wie sehr die bisher von Bund, Land und der Stadt Kirchheim unter Teck getroffenen infektionsschützenden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus SARS-Cov-2 unser aller gewohntes tägliches Leben in einer Art und Weise beschneiden, wie wir uns das vor noch nicht allzu langer Zeit nicht vorstellen konnten.
 
Schulen, Kindergärten und öffentliche Anlagen wie Spielplätze sind geschlossen, Restaurants und viele Unternehmen und Einzelhandelsgeschäfte ebenfalls. Die Beschränkung des Aufenthalts im öffentlichen Raum, sowie die Begrenzung und Einschränkung von Veranstaltungen und sonstigen Ansammlungen machen soziale Kontakte fast unmöglich, jegliches Vereinsleben in Kultur und Sport ist genauso zum Erliegen gekommen wie die Aktivitäten in Freizeit- und Bildungseinrichtungen.
 
Besonders schwer treffen diese Maßnahmen Familien mit kleinen Kindern, Alleinerziehende, alte Menschen und Menschen mit Vorerkrankung. Und auch für Menschen, die schon vor der Krise in Not lebten, wie z.B. Menschen in prekären Wohnverhältnissen, ist die Situation eine Herausforderung, die sie oftmals nicht alleine meistern können. Neben Sorgen um die Gesundheit und die Betreuung kommen durch Kurzarbeit und fehlende Einnahmen in vielen Fällen nun auch noch finanzielle Sorgen bis hin zu existenziellen Ängsten dazu.
 
Aber auch in dieser Krisenzeit zeigt sich – zeigen Sie! – dass wir in Kirchheim unter Teck und unseren Teilorten zusammenstehen und einander helfen: bei der städtischen Versorgungs-Hotline haben sich viele hilfsbereite Menschen gemeldet, um anderen in der Not beizustehen. Durch Ihre Eigeninitiativen unterstützen Sie sich gegenseitig durch Übernahme von Botengängen, Erledigung von Lebensmitteleinkäufen oder des Fahrdienstes zum Arzt, um nur ein paar wenige Dinge zu nennen. Unsere Nachbarschaftsnetzwerke leisten Großartiges, das „Wir“ wird wieder größer geschrieben. Dafür bedanken wir uns bei Ihnen von ganzem Herzen! Wenn wir diese Hilfsbereitschaft und das Füreinander-Sorgen in die Zeit nach der Corona-Krise mitnehmen können, wäre das schön!
 
Wir denken natürlich auch an die Menschen, die wir jetzt unsere „Helden des Corona-Alltags“ nennen, weil sie unter besonders erschwerten Bedingungen arbeiten: an Ärzte und Pflegepersonal in den Krankenhäusern, an Pflegekräfte in den Alteneinrichtungen, an Hausärzte und Apotheken, an Verkäuferinnen und Verkäufer in den Lebensmittelgeschäften, an Polizei, Feuerwehr und alle Rettungsdienste, sowie auch an die Verantwortlichen im Krisenstab des Rathauses. Die Aufzählung ist natürlich nicht vollständig, auch für die nicht erwähnten Berufsgruppen gilt: Ihnen allen gebührt unser Respekt und Dank, verbunden mit der Hoffnung, dass Ihre Arbeit auch in Nicht-Krisenzeiten so wertgeschätzt wird wie jetzt!
 
Das kommunale Handeln ist in diesen Tagen komplett auf die Bewältigung der Folgen der Corona-Krise fokussiert. Auch wenn die kommunalpolitische Arbeit derzeit nur eingeschränkt möglich ist, haben wir durch die Einsetzung eines „erweiterten Ältestenrats“, in dem alle Fraktionen und Gruppierungen des Gemeinderats vertreten sind, bereits einige Maßnahmen mit auf den Weg gebracht: so werden die Gebühren für die Kindertages- und Schulbetreuung im April nicht erhoben, Miet- bzw. Pachtzahlungen und Sondernutzungsgebühren bei städtischen Gewerberäumlichkeiten werden für ein halbes Jahr gestundet, mit der "Taskforce Wirtschaft" sollen Unternehmen unterstützt werden, die durch die Corona-Krise unverschuldet in Not gekommen sind. Und auch wenn unseren (finanziellen) Unterstützungsmöglichkeiten Grenzen gesetzt sind, appellieren wir unter anderem auf diesem Wege an gemeinsame Solidarität und gegenseitige Unterstützung.
 
Wir versichern Ihnen, dass wir wachsam und konstruktiv kritisch, aber auch mit Vertrauen die auf kommunaler Ebene zu treffenden Maßnahmen begleiten und auch weiterhin unsere Aufgaben als Gemeinderäte wahrnehmen. Zu diesem Zweck haben wir beschlossen, am 20. Mai eine zusätzliche Gemeinderatssitzung durchzuführen.
 
Aktuell beschäftigen wir uns mit der Frage, wann und in welchem Ausmaß die verordneten Einschränkungen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen wieder zurückgenommen werden können. Für die Zeit nach Ostern, genauer gesagt ab dem 20. April, steht eine Neubewertung der Lage an, auch wenn Einschränkungen in der Landesverordnung bis 15. Juni in Kraft sind. Bei der Lockerung der Maßnahmen geht es dabei um nicht weniger als der Abwägung des Rechtsguts der persönlichen Freiheit mit dem Rechtsgut der Verantwortung für die Gesundheit der Menschen, mitunter sogar für das Leben.
 
Die Entscheidungen über die Lockerung der infektionsschützenden Maßnahmen werden nicht für Kirchheim unter Teck alleine, sondern durch die Vorgaben des Bundes und des Landes Baden-Württemberg getroffen. Sowohl im Kirchheimer Gemeinderat als auch in der Stadtverwaltung besteht Konsens, dass zurückgenommene Einschränkungen schnellstmöglich umgesetzt werden. Neben der Wiederaufnahme des Kindergarten- und Schulbetriebs beschäftigen wir uns mit Fragen wie „wann dürfen Kinder wieder auf einen Spielplatz?“, „wann und unter welchen Bedingungen darf der Kirchheimer Einzelhandel seine Geschäfte wiedereröffnen?“, „welche sozialen Kontakte können wieder gestattet werden und wie kann die wertvolle Arbeit in Vereinen, Freizeit- und Bildungseinrichtungen in den nächsten Wochen und Monaten aussehen?“.
 
Die Entscheidungen werden immer geleitet von einer Abwägung, welche Personengruppen besonders geschützt werden müssen und welche Maßnahmen gegebenenfalls zu einer neuerlichen, unkontrollierten Ausbreitung des Virus führen würden. Auch wenn uns die aktuellen Zahlen vorsichtig optimistisch stimmen – wir bitten Sie weiterhin um Geduld und um Vertrauen in die von den staatlichen Behörden getroffenen Maßnahmen. Sie dienen zum Schutz von uns allen.
 
Auch, aber nicht nur in Krisenzeiten, sind wir jederzeit für Sie erreichbar! Wenn Sie Fragen haben, Hilfe benötigen, auf etwas aufmerksam machen wollen – bitte wenden Sie sich an uns oder die städtische Hotline. Niemand muss eine Krise alleine durchstehen. Diesen Vorsatz möchten wir auch nach Corona weiterleben, zusammen mit Ihnen. Bleiben Sie gesund, allen Kranken wünschen wir schnelle Genesung!


Stellvertretend für den gesamten Gemeinderat der Stadt Kirchheim unter Teck


Dr. Christoph Miller (Freie Wähler)
Sabine Bur am Orde-Käß (Bündnis 90/Die Grünen)
Dr. Thilo Rose (CDU)
Marc Eisenmann (SPD)
Ulrich Kreyscher (FDP/KiBü)
Gerd Mogler (CIK)
Heinrich Brinker (Linke)

Großer Sitzungssaal