Jesinger Halde und Ötlinger Halde

Die beiden Gebiete Jesinger Halde und Ötlinger Halde in Kirchheim unter Teck sind ein gutes Beispiel für einen nachhaltigen Umgang mit alten und möglichst zu bewahrenden Kulturlandschaften in unserer Region am Albtrauf.

Maßnahmen

Auf der Suche nach neuen Bewirtschaftungsformen zum Erhalt traditioneller Kulturlandschaften hat sich die Schafbeweidung der steilen Hanglagen bewährt. Aufgrund der vielen Eigentümer und der kleinteiligen Parzellierung ist dies sowohl in der "Ötlinger Halde" als auch in der "Jesinger Halde" aber besonders schwierig. Bereits zugewachsene Parzellen müssen von der Beweidung "entbuscht" und Triebmöglichkeiten für die Schafherden neu geschaffen werden. Für die Grundstückseigentümer ist die Teilnahme an dem Projekt freiwillig. Für den Fall, dass auf ihrem Grundstück mit Hilfe von öffentlichen Mitteln "Verbuschungen" beseitigt werden, müssen sich die "Stücklesbesitzer" lediglich dazu verpflichten in den nächsten zehn Jahren die Schafbeweidung auf ihren Flächen zuzulassen und die Fläche als Streuobstwiese zu erhalten.

Die Koordination der anfallenden Arbeiten, sowie die Abstimmung zwischen Eigentümern und Schäfern wird durch einen erfahrenen Landschaftspfleger abgewickelt. Erste Erfolge in der "Entbuschung" der beiden Gebiete und ihrer landschaftsgerechten Rückgestaltung zu einer halboffenen Streuobstlandschaft sind bereits sichtbar.

Vor allem die "Ötlinger Halde" ist für Besucher nur schwer zugänglich. Im Osten wurde daher mit Unterstützung des Verbandes der Region Stuttgart eine neue Wegeverbindung vom Tal zur Hochebene geschaffen. Dort besteht Anschluss an das bestehende Wegenetz in Richtung Notzingen, Wernau oder Wendlingen und eröffnet den Spaziergängern einen weiten Blick ins Albvorland.

Die beiden Gebiete im Überblick

Die ca. 56 ha großen steilen Hanglagen der "Jesinger Halde" beginnen westlich des Stadtgebietes von Kirchheim unter Teck und erstrecken sich in östlicher Richtung entlang des Trinkbaches. Südlich davon folgt, getrennt durch einen etwa 500 m breiten Offenlandstreifen im Talraum, das Siedlungsband des Kirchheimer Stadtteiles Jesingen.

Seit Jahrhunderten prägte der Streuobstbau mit seinen Wiesen und einem lockeren Obstbaumbestand das Erscheinungsbild der "Jesinger Halde".

Nach dem wirtschaftlichen Bedeutungsverlust des Streuobstbaues in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts vollzog sich hier ein deutlicher Wandel im Landschaftsbild. So ist auf der einen Seite eine ständig fortschreitende "Verbuschung" brachliegender Grundstücke zu beobachten. Andererseits wurden viele Flächen in Freizeitgärten mit Hütten und Abgrenzungen durch Zäune umgewandelt. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hatte die Stadt Kirchheim bereits im Jahr 2002 die Pflege- und Entwicklungsplanung "Jesinger Halde" in Auftrag gegeben. Ziel dieser Arbeit war eine parzellenscharfe Zustandsbeschreibung des Gebiets, um geeignete Maßnahmen zur Wiederherstellung der Obstbaumwiesen durchführen zu können.

Mit der Würdigung als "Projektgebiet" durch die höheren Naturschutzbehörden gehört die "Jesinger Halde" zu den prioritären Flächen für Naturschutz und Landschaftspflege im Landkreis Esslingen. Der Verband Region Stuttgart würdigte im Jahr 2004 das Modellprojekt im "Wettbewerb Landschaftspark" mit einem Preis.
Die etwa 40 ha große "Ötlinger Halde" umfasst die steilen Hanglagen an der nördlichen Grenze des Kirchheimer Beckens. Durch seine exponierte, weithin sichtbare Lage über dem Lautertal hat sie eine sehr hohe Bedeutung für das Landschaftsbild im Bereich Kirchheim. Zudem ist sie ein wichtiger Rückzugsraum für viele seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

Die "Ötlinger Halde" war ursprünglich ein reines Streuobstgebiet mit blumenbunten und artenreichen Wiesen.

Durch den Niedergang der Streuobstwiesenwirtschaft in den letzten 50 Jahren hat sich auch hier ein deutlicher Wandel im Erscheinungsbild vollzogen. So wurden große Bereiche insbesondere an den leicht zugänglichen Ober- und Unterhängen in kleingartenähnliche Strukturen umgewandelt. Auch in den mittleren Hangbereichen führte die mit einer Nutzungsaufgabe einhergehende "Gehölzsukzession" zu einer zunehmenden Veränderung in Landschaftsbild und Naturhaushalt.

So wurde im Jahre 2005 auch für die "Ötlinger Halde", genauso wie drei Jahre zuvor für die "Jesinger Halde", ein Pflege- und Entwicklungskonzept mit einer parzellenscharfen Kartierung des Gebietes erarbeitet und Maßnahmen für Ihren Erhalt formuliert. Zusätzlich wurde hier ein Wegekonzept erstellt, um die Erlebbarkeit der Landschaft zur ortsnahen Erholung zu optimieren.

Auch die "Ötlinger Halde" ist als "Projektgebiet" für Naturschutz, Landschaftspflege und Naherholung anerkannt und somit sind öffentliche Fördergelder zur Bewirtschaftung der steilen Hanglagen zugänglich.