Fließgewässer und Seen sind von außerordentlicher Bedeutung für die Natur aber auch für den Menschen. Denn Wasser ist eine der grundlegendsten Lebensvoraussetzungen für Menschen, Tiere und Pflanzen. Gewässer stellen die Lebensadern der Natur dar und erfüllen die unterschiedlichsten Funktionen. Sie bieten Lebensraum für vielfältige und seltene Tiere und Pflanzen und bilden somit einen Hotspot an Biodiversität. Außerdem vernetzen sie Lebensräume, verbessern das Kleinklima und nehmen gereinigtes Abwasser auf. Oft wird vergessen, dass die Gewässer unser Grundwasser speisen, wodurch sie eine wichtige Rolle bei der Trinkwasserversorgung spielen und dass sie Hochwasser ableiten bzw. Hochwasser in ihren Auen zurückhalten. Nicht zuletzt bieten sie dem Menschen einen attraktiven Naherholungsraum.
Die Stadt Kirchheim unter Teck ist für insgesamt 55 km Gewässer verantwortlich. Die bekanntesten Gewässer sind sicherlich die Lauter, die Lindach und die Gießnau. Die Aufgaben sind dabei vielfältig. Wir kümmern uns überwiegend im innerstädtischen Bereich um den ordnungsgemäßen Wasserabfluss zum Schutze vor Hochwasser sowie für die naturnahe Entwicklung der Flüsse, Bäche und Seen und ihrer Ufer. Eine Ausnahme gibt es dabei. Die Lauter auf Gemarkung Ötlingen bis zum Zusammenfluss von Lindach und Lauter ist im Eigentum des Landes Baden-Württemberg und ist damit in Verantwortung des Regierungspräsidiums Stuttgart .
In den letzten Jahren hat die Stadt Kirchheim unter Teck bereits mehrere naturnahe Umgestaltungsmaßnahmen an ihren Gewässern durchgeführt. U. a. die Renaturierung der Lauter beim Bürgerpark, die naturnahe Umgestaltung der Lindach im Bereich der Freihofrealschule oder die Öffnung der Verdolung des Jauchertbachs in Nabern.
Seit Juli 2024 laufen im Bereich des Schloßgymnasiums Umbaumaßnahmen an der Lindach und am Trinkbach. Ziel ist es, die ökologische Durchgängigkeit der beiden Gewässer wiederherzustellen. Bislang verhinderten mehrere Absturzbauwerke in beiden Bächen den genetischen Austausch zwischen den Gewässern. Fische und andere Wasserlebewesen konnten die Hindernisse nicht passieren. Für viele Arten sind Wanderungen jedoch lebenswichtig, um Laichplätze, Nahrungsräume und andere geeignete Lebensräume zu erreichen. Im Zuge der Baumaßnahmen werden sogenannte Raue Rampen als Fischaufstiegshilfen eingebaut. Sie funktionieren ähnlich wie eine Treppe im Wasser und ermöglichen es Fischen und Kleinlebewesen, die Gewässer wieder ungehindert zu durchwandern. Die Wiederherstellung der Gewässerdurchgängigkeit ist eine gesetzliche Aufgabe der Kommunen im Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Das Land Baden-Württemberg unterstützt die Maßnahme mit einer Förderung von 90 Prozent.
Ein Absturzbauwerk verhinderte die Wanderung von Fischen und wirbellosen Kleinlebewesen in der Lindach.
Fische und Kleinlebewesen können zukünftig von Becken zu Becken die Höhe überwinden. Hier die Raue Rampe in der Lindach während dem Bau im Sommer 2026.
Auch der Sonnensee und der Westerbach werden im Sommer/Herbst 2026 ökologisch aufgewertet. Nachdem der Sonnensee bereits entschlammt wurde, entstehen nun neue Flachwasserzonen. Diese bieten Amphibien ideale Bedingungen zum Laichen und dienen jungen Fischen als geschützter Lebensraum. Veränderungen sind ebenfalls am Westerbach vorgesehen: Im Bereich seiner Mündung in den Sonnensee wird der Bachlauf umgeleitet. Dadurch kann sich das Wasser bei Hochwasserereignissen früher in die angrenzende Aue ausbreiten. Mitgeführte Sedimente werden so überwiegend außerhalb des Sees abgelagert, was zu einer Entlastung des Gewässers beiträgt. Mit den Maßnahmen werden gleich mehrere Ziele verfolgt: Zum einen werden wertvolle Lebensräume für Amphibien und andere Wasserlebewesen geschaffen, zum anderen wird die Wasserqualität des Sonnensees nachhaltig verbessert. Die Ansiedlung von Wasserpflanzen unterstützt dabei die natürliche Selbstreinigung und ökologische Stabilität des Sees. Die Maßnahme wird durch die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg gefördert, die 90 Prozent der Kosten übernimmt.
Entschlammter Sonnensee im Sommer 2026.
Um unsere wichtige Ressource Wasser auch langfristig zu erhalten, hat nicht nur die Stadt und das Land wichtige Aufgaben. Auch Eigentümer, die ein Grundstück an einem Gewässer haben, können dazu beitragen, Hochwasserschäden zu vermeiden und das Ökosystem Gewässer zu schützen. Ein übersichtliches Faltblatt des Landes zum Thema finden Sie hier
Natürlich unterstützen und beraten wir Sie gerne bei Fragen rund um die Gewässer auf der Gemarkung Kirchheim unter Teck.