Einsamkeitsdetektive im Ortsteil unterwegs

Im Mai 2023 startet die Projektphase der Bestandsanalyse und Bedarfsermittlung: Dabei sind sogenannte Einsamkeitsdetektivinnen und Einsamkeitsdetektive im Zeitraum von Montag, 8. Mai bis Sonntag, 28. Mai 2023 in Jesingen unterwegs.

Interviews liefern Impulse für das Quartiersprojekt

Sie werden in diesem Zeitraum anhand eines Leitfadens verschiedene Interviews führen und dokumentieren, beispielsweise mit dem Verkaufspersonal im Einzelhandel oder Vertretern der im Ortsteil vertretenen Vereine. Dadurch sollen die Bedarfe von einsamkeitsgefährdeten Personengruppen, wie beispielsweise älteren Menschen ermittelt werden.

Multiplikatorinnen und Multiplikatoren folgender Bereiche werden befragt:

  • 1. Einzelhandel
  • 2. Kommunale Landschaft
  • 3. Kirche
  • 4. Migration und Flucht
  • 5. Familie
  • 6. Menschen über 60 Jahre

Folgende Fragen stehen dabei im Mittelpunkt:

  • Wie fühlt sich die betroffene Personengruppe in Jesingen?
  • Welche Rolle spielt Einsamkeit für die Gruppe?
  • Gibt es Ideen oder Vorschläge für Angebote, um die Einsamkeit im Ortsteil zu bewältigen?
  • Gibt es gegebenenfalls weitere Personen, bei denen der Eindruck besteht oder bekannt ist, dass sie sich einsam fühlen?

Diese erste Maßnahme zur Bestandsanalyse soll wichtige Erkenntnisse und Impulse für die zukünftige Gestaltung von Angeboten und Strukturen liefern. Ortsvorsteherin und Projektleiterin Gabriele Armbruster führt aus: „Insgesamt acht Einsamkeitsdetektivinnen und Einsamkeitsdetektive werden auf den Weg durch Jesingen machen – ich selbst gehöre ebenfalls dazu. Ich stoße bereits jetzt auf eine große Offenheit gegenüber unserem Projektvorhaben und freue mich auf die Gespräche.“

Projekthotline nimmt Rückmeldungen und Meinungen entgegen

Für das Quartiersprojekt wurde eine eigene Projekthotline unter der Nummer 07021 502-277 eingerichtet. Bürgerinnen und Bürger können dort mit den Projektverantwortlichen in Kontakt treten und ihre Anliegen und Anregungen rund um das Projektvorhaben schildern. Interessierte Interviewpartnerinnen oder -partner, die gerne an diesem Projektschritt teilnehmen und ihre Antworten auf die Fragestellungen in einem Gespräch schildern möchten, können sich unter der angegebenen Nummer melden. Die Dokumentation des Gesprächs durch die Projektbeteiligten erfolgt anonym.

Vorstellung der Einsamkeitsdetektive

Gruppenfoto Einsamkeitsdetektive

v.l.n.r. Gabriele Armbruster, Reinhold Ambacher, Pinar Turgut, Niki Kreipl, Michael Glasebach, Dorothee Einselen, Heike Nägelein, Thomas Meyer-Weithofer, Kristine Eberle, Meike Späth

  • Pinar Turgut: "Seit 4 Jahren wohne ich in Jesingen. Seitdem habe ich alle Deutschkurse bis C2 beendet und meine Berufsanerkennung bekommen. Daraufhin arbeite ich gerne in einer Grundschule. Ich wollte an diesem Projekt teilnehmen, weil Einsamkeit für mich von Anfang an echte Belastung war. Menschen können heute umgeben von vielen anderen sein und sich doch im Tiefen ganz einsam fühlen. Insbesondere Menschen mit Migrations- und Fluchtbiographien fehlt  immer und überall ein wichtiges Stück Heimat, Familie und Freunde. Ich kenne dieses Gefühl aus meiner eigenen Lebensgeschichte. So wie Leid sich verringert, vermehrt sich Freude, wenn man es teilt. Daher wollte ich, an diesem Projekt teilnehmen, um das Leid anderer zu lindern und die Freude zu vermehren."
  • Niki Kreipl: "Als Mutter zweier Kinder liegt mir das Angebot für Kinder in Jesingen sehr am Herzen: Einen Raum zu schaffen, um sich mit anderen Eltern auszutauschen, Spielplätze wiederzubeleben, Angebote für Kinder zu schaffen, um mit anderen in Kontakt zu treten. Ich bin gespannt, wo mich die Reise mit diesem Projekt hinführt."
  • Michael Glasebach: "Im Laufe meines Lebens bin ich viel umgezogen und musste immer wieder neue Bekanntschaften aufbauen: geboren in Rottenburg; in Esslingen studiert; dort geheiratet, später nach Kirchheim gezogen und seit 24 Jahren wohne ich nun in Jesingen.  Aktuell bin ich in Altersteilzeit. Als Zugezogener will man Menschen nicht nur kennen, Teil eines Kreises sein,  sondern eine neue Heimat finden."
  • Dorothee Einselen: " Mein Name ist Dorothee Einselen. Ich bin bei den Maltesern Koordinatorin und zuständig für die Betreuungen in den Café Maltas und im häuslichen Umfeld. Mir ist es ein Anliegen, dass ältere Menschen in Jesingen, insbesondere auch im betagten Alter und mit Beeinträchtigungen, eine soziale Gemeinschaft, Gespräche und Nähe erleben."
  • Heike Nägelein: "Am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, ist für die meisten von uns selbstverständlich. Einige Menschen können aber aufgrund ihres Alters oder einer Behinderung nur sehr selten die eigenen vier Wände verlassen. Soziale Isolation und Einsamkeit im Alter ist heute und in absehbarer Zukunft eines der relevantesten gesellschaftlichen Probleme in Deutschland. Deswegen ist es mir Wichtig bei dem Projekt dabei zu sein, um dagegen zu wirken."
  • Thomas Meyer-Weithofer:  "Ich wohne seit über 30 Jahren in Jesingen und engagiere mich bei Nachbarschaftsnetzwerk und beim „Jesinger Männervesper“. Ich bin im Vorstand von „buefet e.V.“, ein Kirchheimer Vereinsangebot zur Beratung und Begleitung älterer Menschen, die weiter in ihren vier Wänden leben möchten. Wir wollen unsere Kompetenzen und Ideen in die Weiterentwicklung der sozialen Kontakte in Jesingen einbringen, Menschen über die vielen Angebote  informieren und dazu beitragen, dass jedermann  diese auch wahrnehmen kann."
  • Kristine Eberle: "Als Projektkoordinatorin freue ich mich darauf, durch den Einsatz als Einsamkeitsdetektivin unsere theoretischen Pläne auch selbst in die Tat umzusetzen."
  • Reinhold Ambacher: "Als Jesinger Urgestein ist mir der Ort mit seinen Bewohnerinnen und Bewohnern wichtig. Trotz vieler Vereine, Gruppierungen und bestehenden Angeboten im Ort fühlen sich dennoch Einige einsam, isoliert und wünschen sich mehr Begegnung und Unterstützung. Dazu will ich meine Erfahrung, mein Wissen und meine Ideen einbringen."