Quartiersimpulse: „Unser Jesingen – Unsere Entscheidung … “ 

Mit großer Freude blicken wir auf die letzten zwei Jahre des Projekts „Jesingen – Unsere Entscheidung für mehr Teilhabe und Begegnung“ zurück. Ein Projekt, das im Oktober 2022 mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, die soziale Isolation und Einsamkeit in Jesingen zu bekämpfen und den Austausch unter den Bürgerinnen und Bürgern zu fördern. Nun ist das Ende dieser intensiven und erfolgreichen zweijährigen Projektzeit erreicht und wir möchten auf einige zentrale Aspekte zurückblicken und die erzielten Ergebnisse hervorheben.

Hintergrund

Unser Projekt setzte sich mit der Herausforderung auseinander, die soziale Isolation und Einsamkeit in Jesingen zu verringern. Gerade nach der langen Pandemiezeit wurde diese Problematik immer drängender, da sich jeder fünfte Mensch in Deutschland einsam fühlt. Auch gab es zahlreiche Situationen, in denen Unterstützung benötigt wurde. Wir haben uns intensiv mit den Bedürfnissen der Menschen auseinandergesetzt und gemeinsam Lösungen erarbeitet. Einsamkeit bleibt ein gesellschaftlich noch oft stigmatisiertes Thema, aber der offene Umgang damit war ein wichtiger Schritt. Andere Kommunen haben die Brisanz dieses Themas erkannt, scheuen sich jedoch oft, aktiv zu werden.

Bedarfe ermitteln und Maßnahmen umsetzen

Zu Beginn des Projekts wurden durch zwei Beteiligungsmaßnahmen konkrete Bedarfe erfasst. Zum einen kamen „Einsamkeitsdetektive“ zum Einsatz, die durch Befragungen in Bäckereien, Vereinen und anderen Begegnungsorten wertvolle Erkenntnisse sammelten. Zum anderen wurde eine Fotoaktion für alle Jesingerinnen und Jesinger durchgeführt, um persönliche Perspektiven auf das Thema Einsamkeit und Begegnung sichtbar zu machen.  Diese Maßnahmen bildeten die Grundlage für die in der Folge entwickelten Aktivitäten.

Das Projekt war nicht von vornherein mit vorgefertigten Aktivitäten versehen, sondern wurde stets an den realen Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet. Es kristallisierten sich drei Hauptthemen heraus:

  • Es gibt einen Bedarf an mehr Begegnungen auf niederschwelliger Ebene.
  • Es ist wichtig, Menschen zu begleiten, die sich unsicher fühlen oder nicht alleine aktiv werden können.
  • Es braucht eine bessere Kommunikation innerhalb des Orts, da Informationen nicht mehr selbstverständlich wahrgenommen werden.

Die zentrale Frage am Ende eines Projekts lautet: Haben wir diese Ziele erreicht? Sicherlich gibt es noch Punkte, an denen weitergearbeitet werden muss, aber wir können folgende ausgewählte konkrete Ergebnisse vorstellen:

  • Das wöchentliche Lindach Café, getragen von 15 ehrenamtlichen Jesingern, bietet einen offenen Raum für Begegnung und Gemeinschaft.
  • Regelmäßige Veranstaltungen wie der Jesinger Plauderzeit und der Spielenachmittag ermöglichen soziale Kontakte und gemeinsame Erlebnisse.
  • Der ins Leben gerufene Begleitdienst wird von einzelnen Jesingerinnen regelmäßig zum Lindach Café in Anspruch genommen.
  • Der Bau einer Legorampe für das Café Mayer verbessert die Barrierefreiheit und ermöglicht so mehr Menschen die Teilnahme.
  • Die WhatsApp-Community erleichtert die digitale Vernetzung und den Austausch im Alltag zwischen den Jesinger:innen.
  • Die geplante Web-App „Jesinger Netz“ soll Informationen und Kommunikation bündeln, um die Vernetzung weiter zu stärken.

Diese Nachhaltigkeit zeigt sich nicht nur in den direkten Ergebnissen, sondern auch im fortlaufenden Austausch und der Weiterführung offener Punkte.

Dank an alle Beteiligten

Ein herzliches Dankeschön gilt allen, die zum Erfolg des Projekts beigetragen haben: Der Allianz für Beteiligung für das Vertrauen in unsere Projektidee und die finanzielle Förderung, den Jesinger Bürgerinnen und Bürgern, die sich an Umfragen und Aktionen beteiligt haben, den Mitgliedern der Steuerungsgruppe, den Ehrenamtlichen sowie den zivilgesellschaftlichen Partnern wie dem Verein buefet e.V. und dem Nachbarschaftsnetzwerk „Miteinander für Jesingen“. Ein besonderer Dank geht an die politischen Gremien, den Ortschafts- und Gemeinderat sowie an die engagierten Mitarbeitenden der Stadtverwaltung. Ein großes Lob gebührt auch der Projektkoordinatorin, die das Projekt mit viel Herzblut und Engagement vorangetrieben hat.

Ausblick auf die Zukunft

Die Förderung von Begegnung bleibt ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Einsamkeit kann krank machen, und deshalb ist es wichtig, dass wir weiterhin aktiv daran arbeiten, den Austausch zwischen den Menschen in Jesingen zu fördern. Dies geschieht nicht nur durch Vereinsaktivitäten, sondern auch durch die kontinuierliche Pflege eines offenen, unterstützenden Miteinanders in der dörflichen Gemeinschaft. Die Ergebnisse des Projekts bieten eine gute Grundlage, um auch in Zukunft weiter an der sozialen Teilhabe und dem Austausch in unserem Stadtteil zu arbeiten. Es gibt noch viele Punkte, die weiterverfolgt werden sollen, insbesondere der Ausbau des Begleitdienstes und die Verbesserung der Kommunikation im Stadtteil. Begegnung bleibt eine Daueraufgabe, die es auch künftig zu gestalten gilt.

Abschließend möchten wir dazu aufrufen, das Engagement für mehr Teilhabe und Begegnung in Jesingen fortzusetzen und gemeinsam weitere Angebote zu entwickeln. Denn es ist von großer Bedeutung, die Begegnung und Teilhabe aller Menschen zu fördern und so das soziale Miteinander weiter zu stärken.

Ihre Gabriele Armbruster

Projektdokumentation

Anstelle einer klassischen schriftlichen Abschlussdokumentation haben wir die Inhalte mit kreativen, handgezeichneten Visualisierungen festgehalten, die Texte und Bilder kombinieren. Diese Plakate machen die Ergebnisse lebendig und leicht verständlich.

Ansicht von zwei Frauen vor der Plakatdokumentation

Die Plakate stehen als PDF-Download bereit. Bitte beachten Sie, dass diese aufgrund der Visualisierung nicht barrierefrei sind.

Falls Sie die Plakate für einen eigenen Kongress oder eine Veranstaltung nutzen möchten, freuen wir uns über Ihre Anfrage.

Hier werden zentrale Entwicklungen dokumentiert:
​​​​​​​Mit „Unser Jesingen – Unsere Entscheidung… für mehr Teilhabe und Begegnung“ startet ein Quartiersprojekt gegen Einsamkeit und soziale Isolation in Jesingen, einem Teilort von Kirchheim unter Teck (circa 43.000 Einwohner:innen). Studien belegen, dass sich seit der Corona-Zeit immer mehr Menschen einsam fühlen und doch ist es ein schambehaftetes und tabuisiertes Thema. Im Projekt werden Maßnahmen erprobt, um einsame Jesinger:innen zu finden und deren Bedürfnisse für verbesserte Teilhabemöglichkeiten zu identifizieren. Gemeinsam mit engagierten Akteurinnen und Akteuren vor Ort startet somit ein nachhaltiger Entwicklungsprozess: Die Erkenntnisse und geschaffenen Angebote sollen einen Beitrag leisten, die Erfahrungen mit Einsamkeit zu reduzieren und das soziale Miteinander und generationenübergreifende Zusammenleben zu stärken.

  • Zeitraum: 17.10.2022 – 16.10.2024
  • Budget: 74.508 Euro (davon 54.908 Euro Förderung, 19.600 Euro Eigenmittel über Personalkosten)
  • Förderung durch: Förderprogramm „Quartiersimpulse. Beratung und Umsetzung von Quartiersprojekten vor Ort“

Ausgewählte Ziele:

Allgemeine Ziele

  • Das Projekt zeigt auf, dass Einsamkeitsgefühle etwas sehr Normales über alle Generationen hinweg sind. Es fördert gesellschaftliche Aufmerksamkeit sowie Verständnis und zeigt Wege raus aus der Einsamkeit.
  • Alle Jesinger:innen unterschiedlichen Alters/kulturellem Hintergrund können sich aktiv in die Gestaltung und Entwicklung ihres Quartiers einbringen. Sie fühlen sich wertgeschätzt und stärken ihre Verbundenheit sowie ihr Heimatgefühl mit Jesingen.
  • Einsame Menschen erfahren ein Miteinander mit anderen Menschen, beteiligen sich an Angeboten sowie sind idealerweise selbst ehrenamtlich aktiv.
  • Es werden strukturell gesehen, einsamkeitsfördernde Rahmenbedingungen verändert sowie einsamkeitshemmende gestärkt.
  • Der Aktivitätsgrad für ehrenamtliches Engagement in Jesingen steigert sich durch positive Erfahrungen und fördert verlässliche Engagementstrukturen.

 Impulse für die Gestaltung des Zusammenlebens:

  • Neue Angebote und Formen des sozialen Miteinanders werden geschaffen, bringen Jesinger:innen zusammen und fördern den Austausch.
  • Es entstehen neue und kreative Räume der Begegnung. Mit dem Projekt soll mindestens ein barrierefreier und zentraler (ehrenamtlich getragener) Begegnungsort für den Austausch und Kontakte im Stadtteil entstehen.
  • Der Aufbau einer intakten Nachbarschaftshilfe führt dazu, dass sich in Jesingen wohl fühlen und gerne dort wohnen.

 Beiträge zur Verbesserung der Lebensqualität:

  • Ältere Jesinger:innen sollen sich weniger einsam und sozial isoliert fühlen.
  • Die geschaffenen Angebote fördern aber auch das altersgerechte und intergenerative Zusammenleben und bauen Entlastungsstrukturen auf, welches kleine Hilfen und Unterstützungen ermöglicht und dazu führen kann, dass Ältere länger zu Hause leben können.

Zielgruppen


Mit dem Projekt sollen alle Einwohner:innen aus Jesingen angesprochen und erreicht werden. Ein wesentlicher Blick richtet sich auf Menschen, die sich einsam bzw. sozial isoliert fühlen und bisher nicht in ein soziales, nachbarschaftliches Gefüge eingebunden sind. Das kann insbesondere ältere Menschen, Alteingesessene, Neubürger:innen oder Zugewanderte betreffen. Selbst Menschen (zum Beispiel Kinder und Jugendliche), die bisher gut sozialisiert waren, haben pandemiebedingt Erfahrungen mit Aspekten der Einsamkeit gemacht.
 
Als weitere Zielgruppe soll die Jesinger Akteurslandschaft (zum Beispiel Vereine, Kirchen, Beratungsstellen) als wesentliche Stakeholder in ihrem gemeinsamen Tun gestärkt werden.

 Ausgewählte Projektschritte

1. Abschnitt des Projektzeitraums: Projektstart (ca. 5 Monate)

  • Crossmediale Bekanntmachung und Kontaktaufnahme zum bundesweiten Netzwerk "Kompetenznetz Einsamkeit"
  • Einrichtung einer Steuerungsgruppe und Durchführung eines Konzeptworkshops zur Ausgestaltung einzelner Teilmaßnahmen (zum Beispiel zur Suche nach und Ansprache von Betroffenen, Identifizierung von örtlichen Rahmenbedingungen, die Einsamkeit fördern/reduzieren)
  • Durchführung einer Auftaktveranstaltung zur Projektvorstellung

2. Abschnitt des Projektzeitraums: Bedarfserhebung (ca. 7 Monate)

  • Suche/Ansprache von Betroffenen sowie Identifizierung von örtlichen Rahmenbedingungen, die Einsamkeit fördern/reduzieren
  • Aufruf zur Foto-Mitmach-Aktion „Mein Blick auf Jesingen“ für alle Bürger:innen
  • Durchführung eines Workshops für die Akteurslandschaft zur Sensibilisierung/Schulung zum Beispiel zum Thema „(Gem)einsames Jesingen – Unsere Verantwortung und Beiträge“

3. Abschnitt des Projektzeitraums: Reflexion der Bedarfserhebung und Ableitung/Umsetzung von Maßnahmen (ca. 10 Monate)

  • Durchführung der prozessbegleitenden Fotoausstellung „Mein Blick auf Jesingen“
  • Auswertungsworkshop der Foto-Mitmach-Aktion mit Empfehlung für Fokusgruppe
  • Aufbau einer max. 12-köpfigen Fokusgruppe (zum Beispiel zivil. Organisationen, Betroffene) zur Diskussion und Auswertung der Bedarfe sowie Ableitung von Zielen/Prioritäten
  • Maßnahmen gemeinsam mit den Bürger:innen und zivil. Akteur:innen einleiten und umsetzen

4. Abschnitt des Projektzeitraums: Projektabschluss (ca. 2 Monate)

  • Erstellung einer Wanderausstellung zum Thema Einsamkeit sowie zentraler Projektergebnisse
  • Sicherstellung der Nachhaltigkeit
  • Crossmediale Ergebnisveröffentlichung und Übermittlung an den Städte- und Gemeindetag, Landkreis Esslingen zur Berücksichtigung in weiterführenden Konzeptionen
Jesingens Ortsvorsteherin Gabriele Armbruster freut sich auf das bevorstehende Projekt: „Für den Ortsteil Jesingen ist es eine große Chance, gemeinsam und über Generationen hinweg verschiedene Formen des Miteinanders und Räume der Begegnung wiederzubeleben sowie neu zu schaffen. Ich baue auf den Rückenwind und die Mitwirkung der Jesinger Engagement- und Gewerbelandschaft und bedanke mich schon jetzt für eine offene Haltung für unser Quartiersprojekt.“

Nicole Orgon und Ingrid Gaus vom Nachbarschaftsnetzwerk „Miteinander für Jesingen“ bilden eine der Schnittstellen zu den Menschen im Ortsteil. „Als Kooperationspartner erhoffen wir uns vom Projekt Informationen über die Bedürfnisse und Interessen der Jesinger Bevölkerung. Daran möchten wir unsere verschiedenen niederschwelligen und offenen Angebote ausrichten, um Begegnung und Austausch zu ermöglichen. Und vielleicht gewinnen wir auch Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die gerne bei uns mitmachen wollen.“

Als weiterer Partner steht dem Projekt der Verein buefet e.V. zur Seite. „Eine zunehmende Vereinsamung von älteren Menschen sehen wir in unserer täglichen Arbeit. Wir bringen gerne unsere Erfahrungen aus 20 Jahren Begleitungs- und Unterstützungsarbeit und der Förderung von bürgerschaftlichem Engagement in das Projekt mit ein. So können wir mithelfen, Versorgungslücken zu schließen und den Menschen kleinräumig und niederschwellig Zugang zu passenden Unterstützungsangeboten zu geben“, äußern sich Monique Kranz-Janssen und Thomas Meyer-Weithofer von buefet e. V.
„Unser Jesingen - Unsere Entscheidung“ wurde mit einem Fördervolumen von rund 55.000 Euro in das Förderprogramm „Quartiersimpulse. Beratung und Umsetzung von Quartiersprojekten vor Ort“ der Allianz für Beteiligung und des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration aufgenommen. Das Programm ist Teil der Landesstrategie und wird gefördert aus Landesmitteln, die der Landtag Baden-Württemberg beschlossen hat. Weitere Informationen gibt es unter https://allianz-fuer-beteiligung.de/foerderprogramme/foerderprogramm-quartiersimpulse/.