Mittelalter und Neuzeit

Die erste urkundliche Nennung Kirchheims ist in einer Königsurkunde Ottos des Großen enthalten. Er überlässt dem Bischof Hartbert von Chur in der Schweiz im Jahre 960 den dortigen Königshof mit anderen Besitzungen und nimmt dafür 'Chiricheim' in seinen Besitz. Für die Geschichte unserer Heimat bieten die wenigen Urkunden des hohen Mittelalters nur sporadische Hinweise. Sicher ist jedenfalls, dass im 11. Jahrhundert die Herzöge von Zähringen als dominierendes Herrschaftsgeschlecht im Kirchheimer Raum auftreten. Mittelpunkt ihres Einflussbereichs war ihre etwa 1060 erbaute Burg auf der Limburg bei Weilheim. Die Zähringer verlagerten aber bereits um 1100 ihr Herrschaftsgebiet in den Breisgau. Mit der Burg Teck, die erstmals 1152 in einer Urkunde Friedrich Barbarossas genannt wurde, schufen sich die Zähringer einen Herrschafts- und Verwaltungsmittelpunkt für die Restgebiete des Familienbesitzes im Neckarland.

Bei der nach dem Tode Bertolds IV. im Jahre 1186 erfolgten Teilung des zähringischen Erbes erhielt dessen jüngerer Bruder Adalbert den Besitz in unserem Raum mit der Teck. Diese Seitenlinie nannte sich ab 1187 Herzöge von Teck. Von einem eigentlichen Herzogtum kann allerdings nicht gesprochen werden. Auch war die territoriale Basis der Herrschaft war nicht größer als die einer mittleren Grafschaft.

Um 1220/30 erheben die Herzöge von Teck Kirchheim zur Stadt. Ein Kirchheimer Stadtrecht ist nicht aufgezeichnet. Man nimmt an, dass es mit dem Freiburger weitgehend übereinstimmte, da diese Stadt etwa 150 Jahre lang als sogenannter Oberhof gerichtliche Berufungsinstanz für Kirchheim war. Die Verleihung des Marktrechtes kann urkundlich nicht nachgewiesen werden. Kirchheim muss aber 1059 damit ausgestattet gewesen sein, als König Heinrich IV. seinem Ratgeber, dem Grafen von Nellenburg, die Münzstätte in Kirchheim unter Teck schenkte. 1249 werden erstmals Stadtbürger genannt, und in einer Urkunde für das Kirchheimer Dominikanerinnenkloster findet 1261 auch das Stadtrecht Erwähnung. Für 1293 ist die Stadtmauer bezeugt und aus dem Jahre 1295 das erste Stadtsiegel erhalten, das mit den 'Wecken' als Symbol die Herzöge von Teck als Stadtherren zeigt. Ende des 13. Jahrhunderts besitzt Kirchheim somit die typischen Merkmale einer mittelalterlichen Stadt.

Siegel Kirchheim-Habsburg Siegel Kirchheim-Habsburg  Siegel Kirchheim-Württemberg  Siegel Kirchheim-Württemberg

Im Verlauf des 14. Jahrhunderts müssen die Herzöge von Teck nach und nach ihre gesamte Herrschaft veräußern, nachdem sie sich in Mindelheim [bayerisch Schwaben] sich ein neues Zentrum geschaffen hatten. Kirchheim gelangte nach einer vorübergehenden Teilung zwischen Österreich und Teck schrittweise bis 1381 an die Grafen von Württemberg. In diese Zeit fällt auch die Stiftung des Hl.-Geist-Spitals durch Herzog Friedrich von Teck [1360], das sich zu einem der reichsten derartigen Häuser in der Grafschaft Württemberg entwickeln sollte.

Links das geteilte Siegel Kirchheim - Habsburg, rechts das Stadtsiegel des württembergischen Kirchheims. Die Herzöge von Teck verlassen ihren Stammsitz und lassen sich in Mindelheim nieder. Mit Markt- und Handelsrechten ausgestattet, mit Stadtbefestigung, Kirchen, Kloster und Spital entwickelt sich die Stadt zu einem Mittelpunkt im Gebiet zwischen Neckar und Alb. Nach dem Übergang an Württemberg wurde Kirchheim unter Teck Oberamtsstadt, und die neuen Herren übertrugen in das Stadtsiegel ihr Hoheitszeichen, die württembergische Hirschstange. Als Herzog Ulrich von Württemberg 1519 sein Land verlassen musste, büßte Kirchheim unter Teck die Parteinahme zum angestammten Landesherrn mit Plünderung, Brandschatzung und Absetzung des Rates. Im sechs Jahre später folgenden Bauernkrieg wurden das Kloster und der Adelberger Klosterhof angegriffen.


Skizze Burg Teck

Skizze der Burg Teck vor dem 3. Mai 1525 von Nikolaus Ochsenbach, um 1600

Die Burg Teck ging in Flammen auf und ist seit 1525 Ruine. Herzog Ulrich erhob nach seiner Rückkehr 1534 Kirchheim zur Landesfestung und führte die Reformation ein. Die Erhebung zur Landesfestung hatte in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts eine rege Bautätigkeit zur Folge. Das Kornhaus, mehr noch das Schloss mit Kasematten, Graben und Bastion zeugen noch heute davon. Zeitweise Sitz des württembergischen Hofes, diente das Schloss vom 17. Jahrhundert bis ins späte 19. Jahrhundert hinein häufig als Witwensitz. Sechs Herzoginnen haben hier ihre Altersjahre verbracht. Kirchheim verdankt ihnen manch wohltätige Stiftung.

Während Kirchheim im 16. Jahrhundert noch eine relativ wohlhabende Stadt war, brachte der 30-Krieg mit Einquartierungen, Plünderung und Brandschatzung  Elend in nicht gekanntem Ausmaß über die Stadt. Hinzu kam die Pest, die die Bevölkerung dezimierte. Am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts verursachten Franzoseneinfälle und der Spanische Erbfolgekrieg erneut schwere Belastungen. In diese Zeit fällt der große Stadtbrand von 1690, der 257 Häuser und 114 Scheuern einäscherte. Nur vier Gebäude innerhalb der Stadtmauern blieben unversehrt! Der Wiederaufbau richtete sich nach einer herzoglichen Bauordnung, die vorschrieb, dass die in gleicher Stockwerkshöhe zu erbauenden Häuser keine Vorstöße und Erker haben durften. So entstand vor mehr als 300 Jahren das für Kirchheim so typische einheitliche Stadtbild. Um die Wiedererrichtung des Rathauses auf dem Marktplatz entspann sich ein bis 1722 andauernder Streit, da die herzogliche Regierung den alten Platz nicht mehr zur Verfügung stellte. Die Stadt erbaute deshalb notgedrungen ihr Rathaus, das heute noch zu den schönsten Fachwerkbauten zählt, zwischen 1722 - 1724 an die Stelle des 1690 ebenfalls abgebrannten Bürgerhauses.