Kirchheimer Häuser – Obere Vorstadt

Während des ausgehenden 16. Jahrhunderts befand sich die Obere Vorstadt ausschließlich östlich der Lauter. Zu dem Gebiet der Oberen Vorstadt zählten die folgenden Straßen: Gaisgasse, die südliche Alleenstraße, das Walkgässle, das Mittlere Gässle, welches seit dem Ende des 19. Jahrhundert als Ziegelstraße bekannt ist, sowie das Obere Gässle (Lohmühlgasse) und die Dettinger Straße.
Sowohl die Ackerbürgerhäuser (Haus und Scheuer unter einem Dach) als auch die Kombination aus einem einzelnen Haus und einer externen Scheuer halten sich überwiegen die Waage, wenn auch die alleinstehenden Häuser prozentual einen größeren Teil ausmachen (57% zu 43%). Eine Ausnahme bietet hier lediglich die Dettinger Straße, welche doppelt so viele Häuser ohne Scheuer wie Ackerbürgerhäuser vorweist.
Besonders hervorzuheben ist das stark bebaute Gebiet rund um die mittelalterliche Marienkirche sowie das mittelalterliche Sägewerk, welches seit 1310 belegt ist und im Rahmen der Auswertung genau lokalisiert werden konnte (heutige Lohmühlgasse 16).

Im Gegensatz zum 16. Jahrhundert  verschwand die Bebauung an der Lohmühlgasse sowie der Gaisgasse im 17. Jahrhundert. Die Gründe hierfür sind zurückzuführen auf die Einquartierung während des Dreißigjährigen Krieges.
Die Walkgasse konnte dagegen einen Zuwachs an Häusern verzeichnen. Darüber hinaus begann eine spärliche Bebauung entlang der Schmied,- und Schwabstraße. Ebenso begann die Siedlungserweiterung westlich der Lauter, in Richtung Nürtingen, welche im Laufe des 19. Jahrhunderts weiter zunehmen sollte. Die prozentuale Verteilung von Häusern ohne Scheuer und Häuser mit Scheuer rückten näher aneinander (52% zu 48%).

Im Zuge der Industrialisierung im Lauf des 19. Jahrhunderts wurde ein Großteil der bestehenden Mühlen in Fabrikbauten umfunktioniert. Besonders hervorgehoben werden soll an dieser Stelle die städtische Ziegelei (Höhe Ziegelstraße 31 und 35), welche seit dem 17. Jahrhundert bis hin zum Ende des 20. Jahrhundert stets derselben Branche treu blieb (erst handwerklich und dann industriell) und erst nach knapp 300 Jahren ihr Ende fand.

Die Obere Vorstadt war vorwiegend ein Handwerkerviertel. Aufgrund der Lauter gab es zahlreiche Gerbereien und Färbereien. Im Nebengewerbe, wurde wie generell üblich Landwirtschaft betrieben.

Die aufblühenden Firmen, welche im Rahmen der Industrialisierung, im Süden der Oberen Vorstadt endstanden, boten neue Arbeitsmöglichkeiten für Arbeiter aus der Stadt und der Region.

Die Daten wurden in mühevoller Kleinarbeit von Rosemarie Reichelt erhoben. Die Daten für die Internet-Präsentation wurden im Stadtarchiv gesammelt, aufgearbeitet und von Yannic Mermi online gestellt.

Die Daten zu den Hausbesitzern stammen aus den Steuerlisten von 1711, 1713, 1788 und dem Gebäudekataster aus dem Jahren 1823 und 1873/75. Ergänzend wurden Lagerbücher der Kellerei, des Klosters und der Geistlichen Verwaltung sowie des Spitals herangezogen.

Signaturen der Quellen:
StadtArchiv Kirchheim unter Teck: StadtA Ki B 626 – 629, 635, 642, 646, 1020, 1021,1024, 1025 und 1392. StadtA Ki R 1289.

Hauptstaatsarchiv Stuttgart, HStAS H 101/31 Bd. 797 und 811, HStAS 102/37 Bd. 7 und Bd. 21, HStAS 102/36 Bd. 3 und Bd. 20.

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