Industrialisierung

Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts setzte in Kirchheim wie andernorts mit dem Textilgewerbe ein. Dieser Zweig wurde durch den 1819 eingerichteten Wollmarkt, der bis 1914 einer der größten Umschlagplätze für Wolle in Süddeutschland war, begünstigt. Die 1864 errichtete Privateisenbahnlinie Unterboihingen - Kirchheim war die erste Privatbahn Württembergs. Sie ging 1899 mit dem Bau der Strecke Kirchheim - Oberlenningen in staatlichen Besitz über. Der Bahnanschluss wiederum zog Metall verarbeitende Industrie in die Stadt.

Wie auf wirtschaftlichem, so vollzogen sich auch auf schulischem und sozialem Gebiet des städtischen Lebens Veränderungen. Die Errichtung des Wilhelmshospitals [1840], einer Realschule [1833] und des ersten Altersheimes im Vogthaus, des Henriettenstifts, [1852] sollen stellvertretend genannt werden. Als Beispiel eines besonderen sozialen Engagements von privater Seite, das bis in die heutige Zeit hinein wirkt, können die Gebrüder Otto und Eugen Ficker erwähnt werden, die 1912 eine Stiftung zur Förderung des Kirchheimer Schulwesens und zur Unterstützung bedürftiger Studenten ins Leben gerufen haben.