Historische Märkte

Wer sich mit der Wirtschaftsgeschichte von Kirchheim unter Teck beschäftigt, muss bis in die Römerzeit zurückgehen. Vom Kastell Köngen [Grinario] zum Kastell Urspring [Ad Lunam] führte eine Römerstraße über das Gebiet des heutigen Kirchheim durch das Lindachtal und über Wiesensteig auf die Alb. Im Stadtgebiet zweigte eine zweite Römerstraße durch das Lautertal zum Kastell Donnstetten [Clarenna] ab. Die heutigen Verkehrswege entsprechen noch der Führung der einstigen Römerstraßen.


Münzrecht und Märkte vor über 900 Jahren

Eine Straßengabel an wichtigen Verkehrssträngen hat sich für die Ansiedlung eines Marktes angeboten. Die alten Römerstraßen benutzten Menschen aus nah und fern, und so konnte an dieser siedlungs- und verkehrsgünstigen Stelle auch ein Ort für den Warenhandel entstehen. Auf die Existenz eines Marktes wird dadurch geschlossen, dass 1059 von einer Münze [lat.: moneta] in Kirchheim die Rede ist; und Münzrecht setzt Marktrecht voraus.


Handel mit Kraut, Geflügel, Rössern und Holz

Daneben waren die Handwerker da. Äxte, Beile und Sensen wurden produziert, Weberei und Töpferei fanden Eingang. In späterer Zeit wurden verschiedene - nach Produkten geordnet - "Marktplätze" ausgewiesen. Kirchheim wird durch das für die Stadtgründungen des 12./13. Jh. typische Straßenkreuz [heute Markt-/Max-Eyth-Str.] ausgewiesen; dessen Erweiterung [vor dem heutigen Rathaus] war der Marktplatz. Der heutige Marktplatz entstand erst nach dem Stadtbrand 1690 mit der Verlegung des Rathauses an die jetzige Stelle. Rund um die Innenstadt lagen - entgegen dem Uhrzeigersinn - der Krautmarkt, anschließend der Geflügelmarkt, der Rossmarkt, der sich den Platz mit dem Holzmarkt teilen musste; an der Turm-/Dreikönigstraße war der Strohmarkt zu finden und anschließend kam der Schweinemarkt. Die Krämer boten außerdem am Straßenkreuz in der Innenstadt ihre Waren feil. Im Jahre 1381 wird Kirchheim württembergisch und zur Amtsstadt erhoben. Mit entsprechenden Markt- und Handelsrechten ausgestattet entwickelte sich fortan die Stadt am Zusammenfluss von Lauter und Lindach zu einem Mittelpunkt im Dreieck Neckar, Fils und Alb.


Einst Zentrum für Wolle in Württemberg

Der bedeutendste Markt in Kirchheims Geschichte war der Landeswollmarkt, der von 1819 bis 1914 im heutigen Freihofareal abgehalten wurde. Dieser Wollmarkt entwickelte sich zum größten in Süddeutschland. Er schlug Städte wie Göppingen oder Cannstatt aus dem Felde. Wollmarkt in Kirchheim bedeutete zugleich ein Riesenfest, das stets in der Woche von Johanni [24. Juni] abgehalten wurde. Die Kinder bekamen schulfrei, und wer von den jungen Burschen flink genug, oder auch - der häuslichen Not gehorchend - gezwungen war, für die schmale Haushaltskasse ein paar Kreuzer hinzuzuverdienen, der verdingte sich als Wolltreppler. Er hatte die in Säcke gefüllte Wolle festzustampfen. In der Stadt lebten an diesen Markttagen oftmals fast so viele Fremde wie Einwohner.


Die jahrhundertealte Kirchheimer Markttradition lebt bis heute fort

Dreimal in der Woche ist Gemüse-, Obst- und Blumenmarkt auf dem Marktplatz; jeden ersten Montag im Monat wird ein Krämermarkt in den Hauptstraßen der Innenstadt abgehalten; und zweimal im Jahr findet ein viertägiger Jahrmarkt, jeweils am ersten Montag des Monats März [Märzenmarkt] und des Monats November [Gallusmarkt] statt, verbunden mit einem großen Vergnügungspark auf dem Ziegelwasen. 2010 wurde der Wollmarkt als historischer Markt wiederbelebt.