Laternenfest

Seit 1958 zaubert das Kirchheimer Laternenfest den kleinen Besucherinnen und Besuchern einen ganz besonderen Glanz in die Augen. Nachdem sich die Kinder um 18:15 Uhr am Roßmarkt getroffen haben, zieht der Zug um 18:30 Uhr mit dem Nachtwächter und unter musikalischer Begleitung bis zum Rollschuhplatz.

Hintergrundinformationen

Das traditionelle Laternenfest für Kinder in der dunklen Jahreszeit des Herbstes ist bis ins Jahr 1958 nachzuweisen. Auf dem Rollschuhplatz hatten sich am 7. November 1958 zum ersten Mal "über Erwarten viele Kinder beteiligt" und "die Erwachsenen haben in unerwartet großer Zahl Anteil genommen". Von einem "Lichtermeer voller Fantasie, voller Wärme und Reiz" schwärmte der Teckboten-Berichterstatter. Initiiert hatte den Laternenumzug der Elternbeirat der Alleenschule für deren Grundschulklassen. Gekommen waren jedoch viel mehr Menschen und der Reporter schrieb euphorisch von einer "überwältigend dargebotenen Anteilnahme der gesamten Bevölkerung". Zu den 600 Alleenschul-Kindern und 1000 Erwachsenen gesellten sich noch einige hundert Kinder, die am Straßenrand gestanden hatten, und deren Eltern. Kein Kind musste ohne Laterne laufen, denn "eine Kirchheimer Firma" hatte für alle, die keine besaßen, einen Lampion gestiftet.

Gleich planten die Verantwortlichen der Alleenschule für das nächste Jahr wieder einen Lichterfestzug durch die Stadt. Die Stadtverwaltung verordnete indessen, Sicherheitsmaßnahmen für den Fall des Feuerfangens einzelner Laternen vorzusehen. Die Kinder mussten sich ab 1959 mit genügend breitem Zwischenraum aufstellen und die Feuerwehr wurde beauftragt, mit einer Sicherheitswache anwesend zu sein. Streng verboten waren Pechfackeln. Neben der Beteiligung der Stadtkapelle stimmte der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr festliche Klänge an. Die lange Lichterschlange bewegte sich vom Hof der Alleenschule (heute Stadtbücherei) bis zum Rollschuhplatz. Dort wurden Laternen-Lieder gesungen, eine Kinderpolonaise getanzt und dann beendete der Nachtwächter mit seinem Gute-Nacht-Lied die Veranstaltung.

Ab 1972 durften die Grundschüler aller vier damaligen Grundschulen (Alleenschule, Konrad-Widerholt-Schule, Raunerschule und Eduard-Mörike-Schule) teilnehmen. Der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats, E.O. Kröger hatte zudem dafür gesorgt, dass vier Musikkapellen mitmarschierten. Die Erstklässler hatten sich auf beiden Seiten der Marktstraße aufzustellen, um die "Laternen-Kulisse" zu bilden. Ein genauer Aufstellungsplan verhinderte ein Chaos.

1973 organisierte die SPD Stadträtin Lore Maier das Laternenfest. Diesmal durften die Kindergartenkinder durch die Straßen ziehen, die Grundschüler der ersten und zweiten Klasse bildeten das Spalier.

1979 sammelten sich die Kinder am Rossmarkt, am Schweinemarkt, am Martinskirchplatz, am Schlossplatz und der Dreikönigstraße, um im Sternenmarsch zum Marktbrunnen zu laufen. Stimmungsvoll begleitete die Stadtkapelle die singenden Kinder, eine Bläsergruppe auf dem Rathausturm erntete besonderen Beifall.
Schleckereien für die kleinen Laternenträger wurden bereitgestellt, aber der gemeinsame Abschluss auf dem Rollschuhplatz fehlte und wurde schmerzlich vermisst.

Das änderten die Stadträtinnen Lore Maier und Sibylle Köber 1980 wieder und der frohe Abschluss auf dem Rollschuhplatz folgte wie gewünscht, bis 1983 eine weitere Neuerung die Idylle trübte. Nach des Nachtwächters Auftritt sprühten und knallten Raketen, ein Feuerwerk brannte laut und qualmend ab. Von vielen mit "Ahs" und "Ohs" begrüßt, gab es auch Eltern, die mit ihren erschreckten kleinen Kindern das Weite suchten.

Ab 1989 organisierte Stadträtin Sibylle Köber das Lichterglanz-Fest ohne die beliebte Lore Mayer, die im Frühjahr 1989 verstorben war. Jahrelang hatte Pfarrer Nothelfer die Kinder als Nachtwächter durch die Straßen von Kirchheim geführt, ab 1992 übernahm diese Rolle Stadtrat Andreas Kenner.

Bis heute wird diese 1958 aufgenommene Tradition weitergeführt, nun von der Marketing-Abteilung der Stadtverwaltung organisiert, und beschenkt in der trüben Jahreszeit jedes Jahr wieder nicht nur die Kinder mit einem ganz besonderen Erlebnis.

Quellen: C 446, 1995, Altreg 104.22, ZAS 7/3