Das Gertrud-und-Otto-Mörike Zimmer

Das Gertrud-und-Otto-Mörike-Zimmer im ehemaligen Stadtpfarrhaus erinnert an Gertrud (1904-1982) und Otto (1897-1978) Mörike. Von 1935-1938 lebte Otto Mörike mit seiner Familie als Stadtpfarrer in Kirchheim unter Teck. Er war wie seine Frau entschiedener Gegner des NS-Regimes und aktives Mitglied in der Bekennenden Kirche.

Am 10. April 1938 verweigerten Gertrud und Otto Mörike bei der Abstimmung zum Anschluss Österreichs die Zustimmung zu Hitlers Politik. Statt des amtlichen Stimmzettels legten sie eine Erklärung in die Wahlurne, in der sie sich gegen die "Entchristlichung des Volkes" durch die nationalsozialisitische Weltanschauung wandten.

Noch am Wahlabend wurde Otto Mörike von SA-Männern und der von ihnen aufgewiegelten Menge von ca. 300 Kirchheimern aus dem Pfarrhaus gezerrt, auf dem Weg zum Gefängnis schwer misshandelt und schließlich in Schutzhaft genommen. Danach wurde er zu 10 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Trotz der Bemühungen verschiedener Gemeindemitglieder war Otto Mörike als Pfarrer in Kirchheim nicht mehr zu halten.

1939 wurde er in die Pfarrei Weissach/ Flacht (Dekanat Leonberg) versetzt. Von dort aus organisiserte das Ehepaar Mörike 1943-1945 unter großem Risiko für das eigene Leben die so genannte "Württembergische Pfarrhauskette" des "Bruderrings" zur Rettung von Juden. Außerdem unterstützten sie inhaftierte Pfarrer und deren Familien.

1971 wurden Otto und Gertrud Mörike für ihren mutigen Einsatz mit der Medaille der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel und 1975 dort mit einem Baum in der Allee der Gerechten geehrt.