Hommage an den Kegelesbach

Der Kegelesbach prägte das Ortsbild Ötlingens über Jahrhunderte hinweg. Er erreichte, vom Dettinger Käppele kommend, die Ötlinger Gemarkung und floss ab der ehemaligen Holzfabrik Pfander, Höhe Abzweig Fabrikstraße, südlich parallel zur Stuttgarter Straße in Ost-West-Richtung bis zur westlichen Markungsgrenze.

Gegenwärtig ist er im Ötlinger Ortsbild nicht mehr sichtbar, da er seit den 1950er Jahren verdolt ist. Im Kontext der Sanierung des Ortskerns kam aus dem Ortschaftsrat Ötlingens der Wunsch auf, den Kegelesbach wieder stärker in das Bewusstsein der Ötlingerinnen und Ötlinger zu rücken und ihn mit einem Denkmal zu würdigen.

Hierfür wurde ein Kunstwettbewerb ausgelobt, bei welchem es vier Entwürfe ins Finale geschafft haben. Letztendlich gewonnen hat das Modell von Johannes Vogl, gerne wollen wir aber der Öffentlichkeit auch die Entwürfe seines Kontrahenten und seiner Kontrahentinnen nicht vorenthalten.

Die vier finalen Modelle des Denkmalwettbewerbs

Eingereichtes Modell des Künstlers Johannes VoglEingereichtes Modell des Künstlers Johannes Vogl bei Nacht

Das angedachte Denkmal besteht aus einer geteilten gerosteten Stahlplatte, welche in den Himmel ragt.
 
Der ursprüngliche Bachverlauf des Kegelesbachs wurde per Schneidbrenner durch den Stahl geschnitten und erscheint tagsüber als Lichtzeichnung zwischen den Platten.
 
Das Blau des Himmels bricht sich seinen Weg durch den Stahl und bei Sonne erscheint der Bachverlauf zusätzlich durch den Schattenwurf als Zeichnung am Boden.
 
Die Schnittkante zwischen den Platten wurde vergoldet. Durch die Lichtreflexion erstrahlt der Spalt auch bei indirektem Sonnenlicht. Bei Dunkelheit schaltet die Installation zusätzlich auf eine verborgene LED Beleuchtung im Inneren zwischen den beiden Platten. Somit erscheint der Bachverlauf nachts ebenfalls als Lichtzeichnung in der Dunkelheit.
Eingereichtes Modell der Künstlerin Monika Majer

Eine mehrteilige Bodenskulptur beschreibt den Verlauf des Baches.
 
Die großflächigen Steine überqueren den gesamten vorgegebenen Platz, bei einer Höhe von 20-30 cm und einer Länge mit teils 2m pro Stein.
 
Durch die Größe und des Gewichts der Skulptur ist von keiner Gefährdung für Kinder auszugehen, da jeder einzelne Stein vermessen, geschnitten und geschliffen wird. Dieser soll darauffolgend mit offenen Fugen in Mörtel verarbeitet werden.
 
Die vorgegebene Fläche entspricht einer Sitzhöhe von 40-50 cm, die den Besuchern des Denkmales eine Sitzmöglichkeit bietet. Die beiden vorgegebenen Flächen sind durch einen Plattenbelag mit der Skulptur verbunden.
 
Durch drei Steine, die sich ineinander fügen soll ein Hohlraum entstehen, in diesem findet eine Wasserquelle Ihren Platz.
 
Somit soll eine Art Miniatur Fluss entstehen, der durch die Skulptur fließt und an den ursprünglichen Bachverlauf des Kegelesbachs erinnert.
eingereichtes Model von Monika Majer

Das Fließen als Bewegung des Wassers und die Begegnung als die Qualität der
Ortsmitte sind die zwei wichtigsten Aspekte, die in der Form dieses Entwurfs für eine Hommage an den Kegelesbach Ausdruck finden sollen.
 
Der Fluss zeigt sich zum einen in der Bewegung der bespielten Kunstflächen, die wellenförmig auf eine größte Höhe von etwa 50 cm modelliert und mit niedrig wachsenden, bläulichen Gräsern bepflanzt sind. Aus der Bepflanzung erheben sich fließende Formen aus Stein, die in ihrer Bewegung die Leichtigkeit und das Wirbeln des Wassers aufgreifen und in ihrer Anordnung an eine sich annähernde Zusammenkunft und persönliche Begegnung erinnern.
 
Für die Gestaltung sind drei Skulpturen vorgesehen: Zwei sich Begegnende für die größere Fläche und eine sich dorthin Wendende für die kleine Fläche.
Eingereichtes Modell des Künstlers Hartmut Landauer von schräg links vorneEingereichtes Modell des Künstlers Hartmut Landauer von oben

Mit dem Denkmal wird dem Ort, der Bevölkerung und ihrem kollektiven Bewusstsein etwas zurückgegeben: Die Erinnerung an einen Bach, der den Ort und das Leben mitbestimmte; Vor allem wird ein Gefühl vermittelt: Für einen vermissten Ort; Etwas Warmes, Versöhnendes im Herzen von Ötlingen. Die Geschichte wird sinnlich erfahrbar.
 
Der Entwurf Bachgrund/ Rauschen sieht eine horizontale, begehbare Skulptur mit teils eingefärbten Betongusselementen und einem Relief aus in Bächen gefundenen Backsteinkieseln vor. Landschaftsarchitektonische Elemente, Bezüge zur Land-Art und die gefundenen, gesammelten Backsteinkiesel lassen die Skulptur zu einem lebendigen, sinnlichen Ort werden. Die Formensprache entstammt der Arbeit des Künstlers, aus der Bachthematik fließen weitere Gestaltungselemente ein: Bachgrund, Kiesel, Becken, Wannen, Inseln, Böschung, Staustufen, Brücken, Ufervegetation.
 
Backsteinkiesel: Die vergängliche Zeit und das ewige Rauschen des Bachs, seine endlose Bewegung, haben sich in die rundgeschliffenen Ziegelscherben eingeschrieben. Sie lassen sich überall auf dem Grund der umliegenden Bäche finden. Der Entwurf lebt mit der Wahl dieses warmen Materials: Es entstammt einem von Menschenhand geformten Werkstoff; Somit handelt es sich nicht um ein reines Naturprodukt wie etwa Bachkiesel, sondern um ein von Mensch und Natur gemeinsam geformtes Element. Der feuchte, aus der Erde stammende Ton wird geformt, gebrannt, benutzt und geht zu Bruch, im Bach werden mit der Zeit daraus natürliche amorphe Formen. Die Kunst setzt den Kreislauf fort: Der Werkstoff wird weiter verwertet und erfährt eine inhaltliche Erhöhung, steht für den Beziehungskreislauf Natur und Mensch, dessen Eingreifen in die Natur und weiteren daraus resultierenden Wechselwirkungen.
 
Wo der Kegelesbach durch das Nägelestal fließt wurden jahrhundertelang Ziegel gebrannt, erst handwerklich, dann industriell; Dort wurde auch der Ton abgebaut. Die Backsteinkiesel sind wie Erinnerungsbruchstücke, die an die gewachsene dörfliche Architektur, die Nähe der Häuser, Höfe und Handwerksbetriebe zum fließenden Wasser, an das Leben der Menschen in Bachnähe und die Veränderungen im Laufe der Zeit erinnern. Sie tragen Geschichte in sich und die Erinnerung an den Bach und sein Fließen.