Bucher, André - "Atlas" 

                                               

Mit Buchers „Atlas“ besitzt Kirchheim eine Arbeit, die tief in die Vorstellungswelt des schweizerischen Bildhauers blicken lässt. Der Bezug auf den klassisch-antiken Sagenkreis ist für Bucher ebenso bezeichnend wie die Verwendung von Lavagestein. Das Jahr 1976 markiert eine Zäsur in Buchers Schaffen. Er entdeckt Lava als bildhauerische Urmaterie und künstlerisches Ideal. Mit Vulkanologen und Künstlerkollegen unternimmt er eine Expedition nach Sizilien. An den fließenden Lavafeldern des Ätna schöpft der in einen feuerfesten Schutzanzug gehüllte Bucher eigenhändig flüssiges Gestein, das er unmittelbar vor Ort bearbeitet. Bucher dürfte der erste Bildhauer gewesen sein, der am Rand eines aktiven Vulkans ein temporäres Atelier unterhielt. Für seine neue, ganz von den immanenten Eigenschaften der Lava geleitete Ästhetik ist Buchers „Atlas“ am Kirchheimer Krautmarkt ein formvollendetes Beispiel. Typisch für den Künstler ist die gehaltvolle Kombination mit anderen Materialien. Im Zusammenspiel mit dem Inox-Stahl und dem suggestiven Werktitel steht der eingehängte Lavastein im Spannungsfeld von Leichte von Schwere, von Tragen und Gehalten-Sein. „Das Feuer der Vulkane ist die Synthese der materiellen und der geistigen Welt“, stellte Bucher in einem Interview zu seiner Ätna-Expedition fest. Seine Werke wollte er nicht nur im Sinne der Schönheit verstanden wissen. Sie sollten auch Mahnung sein. Schon in den 1970er-Jahren vertrat Bucher einen ökologischen Diskurs: „Wir müssen die Natur zu unserer Verbündeten machen, anstatt sie weiter auszubeuten“, forderte er. Indem er als Bildhauer den naturgegebenen Stoff Lava verwende, vermeide er eine Verschmutzung der Umwelt. Ein früher Appell zu nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsformen, dessen Dringlichkeit die Gegenwart zunehmend bemerkt. (Text: Florian Stegmaier)
  • 1924 geboren in Inhambane, Ost-Afrika
  • ab 1926 wohnhaft in Ascona
  • Ausbildung in Genf und „Grand Chaumiere“ in Paris u.a.
  • 1948 - 1966 Arbeit als Modellgrafiker
  • seit 1949 wohnhaft in Genf
  • seit 1967 ausschließlich Bildhauer
  • 1976 erste Arbeiten mit Lava
  • 2009 gestorben in Genf
  • Objektstandort: Grünfläche am Krautmarkt
  • Material: Inox und Lavastein
  • Maße: Höhe 2,10 m, Grundfläche 180 x 140 cm
  • Entstehung: 1981
  • Eigentum: Stadt Kirchheim unter Teck