Der Kirchheimer Verlag „Der Teckbote“ feierte 1957 sein 125-jähriges Bestehen und aus diesem Grund schenkte der Verlag die Plastik „Der Zeitungsleser“ seinen Lesern. Eine einmalige Aktion, denn noch nie zuvor würdigte ein Verlag seine Leserschaft auf diese Weise! Die Aufstellung fand große Aufmerksamkeit bis hin zur überregionalen Berichterstattung. Die Stuttgarter Künstlerin Lore Doerr-Niessner, die seit 1955 in Nürtingen-Hardt arbeitete, wurde mit der Ausfertigung beauftragt. „Der Zeitungsleser“ ist aus Betonguss gearbeitet und sitzt bis heute am Alten Verlagsgebäude am sogenannten Schwarzen Berg.
Lore Doerr-Niessner hat mit dem Zeitungsleser ein frühes Meisterwerk geschaffen, das in der Tradition der gegenständlichen Bildhauerei steht und an expressive Kunst der Zeit nach der Jahrhundertwende denken lässt. Die Figur des Zeitungslesers schaffte es sogar zu einer Art Logo des Lokalteils der Zeitung, zusammen mit dem Rathausturm, dem Turm der Martinskirche und der Teck im Hintergrund als Einfassung der Kolumne.
In Kirchheim befinden sich noch weitere Arbeiten der Künstlerin. 1962 hat sie ein Relief für den Eingangsbereich der Eduard-Mörike-Mehrzweckhalle geschaffen, das am Neubau wieder über dem Eingang angebracht wurde. Und 1967 entstand das Betonrelief am damaligen Anbau an das Rathaus; nicht weit entfernt vom Zeitungsleser. Diese beiden Arbeiten zeigen einen anderen Stil, sie sind abstrakter und formreduzierter.
Der „Zeitungsleser“ hat in Kirchheim große Popularität erfahren, aber auch negative Schlagzeilen gibt es über ihn. Schon 1960 wurde sein Gesicht mutwillig zerstört, die Künstlerin behob den Schaden und er erhielt einen pflegeleichteren Betongussanstrich. Und die Wogen schlugen hoch, als er in einem Zeitungsartikel als weibliche Leserin angesprochen wurde! Das passte so gar nicht zum knitzen Gesichtsausdruck des Sitzenden, der auf diese Weise der schwäbischen Mentalität ein schönes Denkmal gesetzt hat. (Text: Barbara Honecker)
Lore Doerr-Niessner hat mit dem Zeitungsleser ein frühes Meisterwerk geschaffen, das in der Tradition der gegenständlichen Bildhauerei steht und an expressive Kunst der Zeit nach der Jahrhundertwende denken lässt. Die Figur des Zeitungslesers schaffte es sogar zu einer Art Logo des Lokalteils der Zeitung, zusammen mit dem Rathausturm, dem Turm der Martinskirche und der Teck im Hintergrund als Einfassung der Kolumne.
In Kirchheim befinden sich noch weitere Arbeiten der Künstlerin. 1962 hat sie ein Relief für den Eingangsbereich der Eduard-Mörike-Mehrzweckhalle geschaffen, das am Neubau wieder über dem Eingang angebracht wurde. Und 1967 entstand das Betonrelief am damaligen Anbau an das Rathaus; nicht weit entfernt vom Zeitungsleser. Diese beiden Arbeiten zeigen einen anderen Stil, sie sind abstrakter und formreduzierter.
Der „Zeitungsleser“ hat in Kirchheim große Popularität erfahren, aber auch negative Schlagzeilen gibt es über ihn. Schon 1960 wurde sein Gesicht mutwillig zerstört, die Künstlerin behob den Schaden und er erhielt einen pflegeleichteren Betongussanstrich. Und die Wogen schlugen hoch, als er in einem Zeitungsartikel als weibliche Leserin angesprochen wurde! Das passte so gar nicht zum knitzen Gesichtsausdruck des Sitzenden, der auf diese Weise der schwäbischen Mentalität ein schönes Denkmal gesetzt hat. (Text: Barbara Honecker)
- 1920 geboren in Stuttgart-Bad Cannstatt
- Studium Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
- 1942 Studium Universität Wien (Philosophie, Mathematik, Architektur)
- 1954 erstes Atelier in Stuttgart
- 1955 Umzug nach Nürtingen-Hardt
- 1983 gestorben in Nürtingen-Hardt
- Objektstandort: Kirchheim beim Roten Berg (ehemaliges Teckbotengebäude)
- Material: Betonguss
- Maße: Höhe 1,32 m, Breite 62 cm, Tiefe 80 cm
- Entstehung: 1957
- Eigentum: Stadt Kirchheim, gestiftet vom Verlag „Der Teckbote“ für seine Leser