"Sciola-Stein" von Pinuccio Sciola auf der Rückseite der Martinskirche/gegenüber des Teckboten

Pinuccio Sciola aus Sardinien hat sich Zeit seines Lebens mit Steinen beschäftigt.
Für ihn stellte dieses Material eine Urgewalt des Lebens dar. Auf den ersten Blick ruhig und geschlossen, erschließt sich dem Betrachter die Kraft und Macht des Steins durch die Materialität und die Formensprache, die der Künstler wählt.
Der sogenannte Sciola-Stein erzählt ein Stück der Geschichte Kirchheims. Ein guter Freund des Bildhauers lebt in der Teckstadt und durch ihn kam Sciola 1968 mit der Kultur Kirchheims in Berührung und zeigte sich angetan und mit ihr verbunden. Zur Eröffnung des heute legendären „Club Bastion“ schuf er eine kleine Skulptur, die sich bis heute in einer Nische im dortigen Gewölberaum befindet. Und 1979, elf Jahre später, schenkte er der Stadt die zwei Tonnen schwere Steinskulptur aus sardischem Trachyt aus Anlass der Wiedereröffnung des renovierten Kornhauses, des Museums der Stadt. Als Tag der Übergabe wählte er den 31. März 1979, den Tag der ersten Europa-Wahl. Pinuccio Sciola war es ein Anliegen, den Gedanken des geeinten Europas in seiner Formensprache auszudrücken. Dem interkulturellen Miteinander hat man in Kirchheim schon sehr früh einen hohen Stellenwert beigemessen und diesen wollte Sciola mit seiner Schenkung würdigen. Der Stein fand seinen ersten Standort beim Kornhaus und erst später versetzte man ihn in die Grünanlage bei der Martinskirche. Vereinigung, Verbindung und Einheitlichkeit im Großen, jedoch Individualität im Kleinen; diese Gedanken passen sehr gut sowohl zum europäischen Gedanken als auch zum Sciola Stein. Und so kann der Stein durchaus als Hinweis aber auch als Erinnerung an das multikulturelle Leben der Stadt gesehen werden. Kultur und ein friedvolles Nebeneinander – der Sciola Stein ist ein sprechender Ausdruck für diese Gedanken und Hoffnungen. (Text: Barbara Honecker)
  • 1942 geboren in San Sperato, Sardinien
  • 1959 -60 Stipendien Kunstschule Cagliari und Region Sardinien
  • bis 1964 dort
  • 1965 Magistero d’arte Pädagogische Kunsthochschule Florenz
  • 1967 -68 Stipendien für Spanien, Paris                                                                        
  • 1973 Aufenthalt in Mexiko Entdeckung der „Murales“                                             
  • 1978 Gründung Internationale Kunstschule in San Sperato
  • 2016 gestorben in San Sperato
  • Objektstandort:  Alleenstraße, westlich vor dem Turm der Martinskirche
  • Material: Trachyt aus Sardinien
  • Maße:  180x 160x 140 cm
  • Entstehung:  1979
  • Eigentum: Stadt Kirchheim unter Teck, Geschenk des Künstlers