Das Projekt
Das Alte Wachthaus ist ein bedeutendes Kulturdenkmal in Kirchheim unter Teck. Das im Jahr 1829 erbaute klassizistische Gebäude prägt mit seiner Lage das historische Stadtbild. Nach langer Diskussion hat der Gemeinderat im Dezember 2022 beschlossen, das Wachthaus im städtischen Besitz zu behalten und umfassend zu sanieren.
Die Generalsanierung umfasst die denkmalgerechte Ertüchtigung der Bausubstanz, die Anpassung an moderne Anforderungen eines Gastronomiebetriebs sowie die Wiederherstellung der ursprünglichen klassizistischen Fassadengestaltung.
Geschichte und Bedeutung
Das Wachthaus wurde 1829 im Stil des Klassizismus errichtet und diente ursprünglich als Wachhaus mit Arrestzellen im zweiten Obergeschoss. Das dreigeschossige Gebäude in Fachwerkbauweise war nach seinem Bau verputzt und fügte sich harmonisch in die nach dem Stadtbrand von 1690 wiederaufgebaute historische Altstadt ein.
Eine der markantesten Veränderungen erfuhr das Gebäude im Jahr 1957, als das Fachwerk freigelegt wurde. Diese Maßnahme entsprach jedoch nicht der ursprünglichen Gestaltungsabsicht und führte zu erheblichen Schäden an der Holzkonstruktion, da der Putz den notwendigen Holzschutz darstellte.
Baulicher Zustand
Die seit November 2023 durchgeführten Freilegungsarbeiten haben den kritischen Zustand des Gebäudes offenbart.
- Mehr als 50 Prozent der Holzkonstruktion weist Schädigungen durch Insektenbefall auf
- Frühere An- und Umbauten wurden konstruktiv unsachgemäß ausgeführt
- Nur circa 30 Prozent der Hölzer können erhalten bleiben
- Die tragenden Strukturen sind durch neuzeitliche Eingriffe geschwächt
Sanierungskonzept
Nach intensiver Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurde ein umfassendes Sanierungskonzept entwickelt, welches zwei Varianten umfasste:
Variante 1: Fassade verputzen (gewählte Lösung)
Vorteile:
- Schutz der Holzkonstruktion durch Außenputz
- Circa 15 Prozent Kosteneinsparung gegenüber sichtbarem Fachwerk
- Rückführung auf die klassizistischen Stilmerkmale
- Wiederherstellung der ursprünglichen Gebäudegestalt
- Geringe Unterhaltungskosten im laufenden Betrieb
Gestaltung:
- Helle, einheitliche Farbigkeit ohne Farbwechsel
- Vierflüglige Fenster mit Sprossenteilung
- Kassettierte Fensterläden im Erdgeschoss
- Herausarbeitung des Giebeldreiecks mit Konsolenfries
- Wiederherstellung des Dachreiters
- Rückbau auf bauzeitliche Fensterformate an der Ostseite
Variante 2: Fachwerk sichtbar lassen
Nachteile:
- Konstruktion bleibt ungeschützt dem Wetter ausgesetzt
- Wartungszyklen alle zwei Jahre erforderlich
- Sanierungszyklen alle fünf bis zehn Jahre notwendig
- Langfristig deutlich höhere Kosten
- Hohe Anforderungen an regelmäßigen Bauunterhalt
Der Gemeinderat und der Gestaltungsbeirat haben sich für Variante I entschieden, um das Wachthaus in seiner ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen und langfristig zu schützen.
Zeitplan und Meilensteine
April bis November 2024: Werk- und Detailplanung
Oktober 2024: Beauftragungen und Baubeginn
Mitte September 2026: Übergabe an den Pächter
Während der Bauphase bleibt der gastronomische Betrieb geschlossen.
Weitere Nutzung
Nach Abschluss der Sanierung wird das Wachthaus weiterhin als gastronomischer Betrieb genutzt. Die modernisierte Infrastruktur ermöglicht einen zeitgemäßen Gastronomiebetrieb unter Bewahrung des historischen Charakters.
Die Sanierung wird finanziert aus Landesmitteln, die der Landtag Baden-Württemberg beschlossen hat. Der überwiegende Anteil der Fördermittel stammt aus den Erlösen der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg.
Häufig gestellte Fragen
- Außenluft-Wärmepumpe: Dafür sind keine geeigneten Aufstellflächen vorhanden (Dachgeschoss, Biergarten, Nebengebäude wurden untersucht).
- Erdwärme-Wärmepumpe: Für die benötigten 11 Erdsonden ist der Platzbedarf mit den einzuhaltenden Mindestabständen zu Bäumen und Bestandsleitungen nicht ausreichend.