K. H. Türk war tief vom anthroposophischen Kunstimpuls Rudolf Steiners geprägt. Es ging ihm aber nicht um Jüngerschaft, sondern um eine individuelle Umsetzung der Anregungen Steiners. So gelangte Türk schon früh zu einer eigenen Formensprache, die das Bewusstsein der Betrachter zu aktivieren und formen wusste. Auch Türks Kunst am Bau und seine Auftragsarbeiten für den öffentlichen Raum hatten stets ein situatives Gepräge. So auch der Ende der 1960er-Jahre entstandene Prießnitz-Brunnen. Mit dem seinerzeit hoch angesehenen Naturheiler Vincenz Prießnitz (1799-1851) verbindet Türk die schlesische Heimat. Der liebevoll als „Wasserdoktor“ bezeichnete Prießnitz machte um 1830 die Hydrotherapie populär. Türks Kaskadenbrunnen ist eine künstlerische Hommage an Prießnitz` therapeutische Wasserschüttungen. Die geometrisch strenge, gleichwohl spielerische Anordnung von Muschelkalkbecken verleiht dem systematischen Duktus der Prießnitzschen Kuren ebenso Ausdruck wie der vitalisierenden Kraft des Wassers. Die neben dem Brunnen befindliche Prießnitz-Büste ist ein Werk des aus Freiwaldau stammenden Bildhauers Engelbert Kaps (1888-1975). Engere Tuchfühlung mit der Ästhetik zentraler Türkscher Werkgruppen – wie den „Voluntas“-Eisengüssen oder den Meditationsstelen – erlauben Türks „Stadtstele“ am Kirchheimer Schlossplatz und die im Stadtraum verteilten Betongüsse, die z. B. am Postplatz, am Gaiserplatz, auf dem Milcherberg oder beim Ziegelwasen an lokalhistorische Aspekte erinnern. (Text: Florian Stegmaier)
- 1928 geboren in Schlesien
- 1946-48 Lehre als Holzbildhauer
- 1953-56 Studium Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
- 1977 Gründung der Freien Kunstschule Nürtingen
- 1985 Ernennung zum Professor
- 1986 Gründungsrektor der Fachhochschule für Kunsttherapie Nürtingen
- 2001 gestorben in Ulm
- Objektstandort: beim Rambouillet Platz Kirchheim unter Teck
- Material: Muschelkalk
- Maße: Grundfläche 5 x 5 m, Höhe 1,65m innen
- Entstehung: 1969
- Eigentum: Stadt Kirchheim unter Teck, Direktbeauftragung