"Invertierte Weltkugel" von Gerhard Dreher im Foyer der Stadthalle 

Im Jahre 2021 fand die „Invertierte Weltkugel“ von Gerhard Dreher ihre Aufstellung im Foyer der Stadthalle und stellt eine perfekte Ergänzung zu den Werken der vorherigen Schaffensperioden des Künstlers dar. Nachdem sich Gerhard Dreher viele Jahrzehnte mit Glasfenstern beschäftigte (das große Glasfenster im Foyer der Stadthalle ist ein schönes Beispiel) und auch Holzreliefs schuf (er arbeitete überwiegend mit dem Thema des Wachsens in Form des Lebensbaumes), begann er ab den 80 er Jahren, sich mit Neuem auseinanderzusetzen. Die für ihn wichtigen Begriffe „Licht“, „Schatten“ und „Spiel“ wurden durch den Begriff der „Zelle“ erweitert, sowohl im biologischen als auch im spirituellen Sinne.
Gerhard Dreher begann, plastische Gebilde zu schaffen. Die bis dahin für den Künstler wichtigen Gedanken wurden in die Fläche übertragen und es entstanden architektonische Formen. Er begann mit Wellpappeplatten, die verleimt und anschließend mit Sägen bearbeitet wurden.  Auf dem Dachboden der Peterskirche in Weilheim an der Teck, Weilheim war sein damaliger Wohnort, befindet sich eine große Rauminstallation aus eben diesem Material. Architektonische und mathematische Formen erzeugen ein Ambiente, das erleb-und begehbar geworden ist! Es ist wiederum der Begriff des „Spiels“, der zu verstehen hilft, wie Gerhard Dreher seine Formen erschafft und dem Besucher eine völlig neue Raumerfahrung ermöglicht. In den späten 90er Jahren ersetzte Gerhard Dreher die vergängliche Wellpappe durch Aluminiumplatten, die ebenfalls wellenartig gestaltet waren. Die „invertierte Weltkugel“ ist eigentlich eine Hohlkugel, die aus einem Würfel ausgeschnitten wurde. Der Würfel ist in der Mitte geöffnet und macht dadurch sein Inneres sichtbar. Die Kugel entsteht allein durch die Negativform. Es wird auf diese Art ein Raum geschaffen, den es gar nicht gibt! Ein Spiel! Ein weiteres Kunstwerk Drehers, das diese Thematik und Materialsprache aufweist, ist in der Aussegnungshalle in Jesingen zu bewundern.
Gerhard Dreher schenkte kurz vor seinem Tod die „Invertierte Weltkugel“ der Stadt Kirchheim, er war viele Jahre im Kunstbeirat der Stadt tätig und mit der hiesigen Kunstszene sehr verbunden. Diese Verbundenheit wollte er mit dem Geschenk der „Weltkugel“ ausdrücken. (Text: Barbara Honecker)
  • 1924 geboren in Enzberg
  • 1946 - 49 Studium an der Kunstakademie Stuttgart
  • ab 1949 freischaffend in Weilheim an der Teck
  • ab 1980 Lehrtätigkeit als Kunsttherapeut an der Freien Kunstakademie Nürtingen (FKN) Nürtingen
  • ab 1992 Arbeiten in Wellpappe
  • 2008 gestorben in Öhringen
  • Objektstandort:  Stadthalle Kirchheim Foyer
  • Material: Metallblech, glatt und gewellt
  • Maße: Höhe 1m, Breite 1m, Tiefe 50 cm
  • Entstehung: 2000
  • Eigentum: Stadt Kirchheim unter Teck, Geschenk des Künstlers