"Mahnmal für die zivilen Opfer der NS Zeit" von Monika Majer auf dem Alten Friedhof 

Das Mahnmal für die zivilen Opfer des NS-Regimes in Kirchheim ist eng verbunden mit der in Hepsisau lebenden Bildhauerin Monika Majer. Majer sieht sich jedoch nicht als Künstlerin, die den Gedenkort im Sinne eines eigenen Werkes geschaffen hat. Sie spricht vielmehr von einer „sozialen Skulptur“, einem vielstimmigen Prozess, bei dem sie die Koordination innehatte. Austausch und Diskussion prägten den vierjährigen Entstehungsprozess des Mahnmals. Die anfänglich kleine, von der damaligen Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker angeregte Runde erweiterte sich zur kommunikativen Plattform, an der verschiedene Personen und Institutionen andockten. Die Vision war, einen Raum zu schaffen, der berührt und sensibilisiert: „Einen Raum, um Anteil zu nehmen und um wach zu bleiben für Menschlichkeit“, wie Majer es formuliert. Dass das Mahnmal formal neue Wege beschreitet, ist dem kreativen Potenzial dieses Kirchheimer „think tanks“ geschuldet. So resultierte die Idee, Repräsentanten der Opfergruppen in der Ich-Form zu Wort kommen zu lassen, aus einer Gesprächsrunde mit Jugendlichen im Mehrgenerationenhaus Linde. Lokalhistoriker arbeiteten Einzelschicksale diverser Opfergruppen heraus: politisch Verfolgte, Angehörige ziganer Gruppen, Homosexuelle, Zwangsarbeiter und Menschen, die dem „Euthanasie“-Programm zum Opfer fielen. Eine von der Stadt Kirchheim herausgegebene Publikation grundiert die Zitate des Mahnmals mit historischen Erläuterungen. Das Mahnmal ist, wie Angelika Matt-Heidecker betont, aber nicht nur ein Ort der Trauer: „Es ist auch ein Symbol des Widerstands gegen Gleichgültigkeit, Unterdrückung und Gewalt.“ Sein Standort ist bewusst am südlichen Ende der Hauptachse des Alten Friedhofs gewählt. Es steht in räumlicher Opposition zum Kriegerdenkmal, das im nördlichen Teil den Gefallenen der Weltkriege gewidmet ist. Das NS-Mahnmal regt somit an, den historischen Wandel der Erinnerungskultur zu reflektieren. (Text: Florian Stegmaier)
  • 1972 geboren in Hanau                                                                          
  • 1992-95 Ausbildung zur Steinmetzin in Freudental                                                                                   
  • 1997-2000 Akademie für Gestaltung Ulm                                                       
  • 2009-11 Studium Kunsttherapie in Calw und Hamburg          
  • seit 2000 freischaffende Bildhauerin und Künstlerin in Kirchheim/Teck
  • seit 2016 in Hepsisau
  • Standort:  Alter Friedhof Kirchheim
  • Material: Stäbe und Bänder aus Stahl, Inschriften aus Metall
  • Maße: Grundfläche 4 x 2,2m dreiteilig, bis 3 m Höhe
  • Entstehung: 2017
  • Eigentum: Stadt Kirchheim unter Teck mit Unterstützung von Kirchheimer Bürgern