Bell Hop
Der Kirchheimer Kunstweg besitzt nicht nur ästhetisches Potenzial. Er bewahrt auch die Erinnerung an kulturell prägende Persönlichkeiten. Gleich zwei seiner Skulpturen sind Geschenke der Kirchheimer Kunstmäzenin Doris Nöth: „Bel Hop“ und „Loop“ von Bernd Hennig. Die im Februar 2023 im Alter von 99 Jahren verstorbene Sammlerin war nicht nur als Gründungsmitglied des Kirchheimer Kunstbeirats eine prominente Ideengeberin. Ihr war der persönliche Bezug zu den Kunstschaffenden ebenso wichtig wie die öffentliche Teilhabe an den Werken ihrer Sammlung. Mit Malern wie Carl Weber, Franz Frank, Friedrich Rommel oder Konrad Raum war sie eng verbunden. Gedenktafeln an der Stadtbücherei erinnern auf Nöths Initiative hin an diese mit der Teckstadt verbundenen Künstler. Legendär sind die Vernissageabende in ihrem Wohnhaus in der Jesinger Straße, das dem regionalen Kunstleben über Jahrzehnte als lebendiger Fokus diente. Dass dort die Kunst ein Domizil hatte, musste selbst flüchtigen Passanten auffallen. Stand doch im Nöthschen Vorgarten eine Stahlplastik, an der die Blicke hängen blieben. Denn David Lee Thompsons „Bell Hop“ gibt sich dadaistisch und unterläuft tradierte Muster der Wahrnehmung. Mit Klaus Hartmann und Klaus Duschat hatte Thompson im Berlin der 80er-Jahre die Künstlergruppe „Odious“ gegründet. Der Gruppenname kann mit „abscheulich“ übersetzt werden und fungiert als ironischer Kommentar zum selbstgewählten ästhetischen Programm, das dem Schönen und Edlen eine bewusste Absage erteilt. 2019 machte Doris Nöth das Werk des US-amerikanischen Bildhauers der Stadt Kirchheim zum Geschenk. (Text: Florian Stegmaier)
- 1951 geboren in Fargo, North Dakota, USA
- 1969 - 75 Studium am Moorhead State College in Minnesota
- 1977 Umzug nach Berlin
- 1979-83 Studium der Bildhauerei Akademie der Künste in Berlin
- 1981 -83 Stipendium »Luftbrückendank«, Berlin
- 2008 Rückkehr in die USA, er lebt in Boston
- Objektstandort: Vorgarten Vogthaus Kirchheim
- Material: Stahl
- Maße: Höhe 1,40 m, Sockel 150 x 200 cm
- Entstehung: 1982
- Eigentum: Stadt Kirchheim, Geschenk von Frau Nöth