Villa Fritz Weise, Dettingerstr. 101

  • Standort: Dettinger Straße 101
  • Bautypus: Villa
  • Entstehungszeit: 1907
  • Bauherr: Fabrikant Max Weise
  • Heutige Besitzverhältnisse: Land Baden-Württemberg genutzt als Polizeirevier
  •  Zustand: gut, noch Originalbestand im Innenraum erhalten
Bereits 1903 beauftragte Max Weise Manz mit dem Bau eines standesgemäßen Wohnhauses für seinen Sohn Fritz. Manz lieferte mehrere Entwürfe, die Weise offensichtlich nicht gefielen, denn der endgültige Plan fiel größer und moderner aus. Die dann 1907 auf dem Nachbargrundstück gebaute Villa umfasste eine Grundfläche von über 300 qm.
Der Baustil des jetzt als obere Villa bezeichneten Hauses unterschied sich stark von der Elternvilla (jetzt untere Villa) und spiegelt die Stilentwicklung von Manz: Keine historischen Schmuckformen mehr, dagegen Anklänge an den Jugendstil, etwa im geschwungenen Mansardgiebel, im Eingangsportal und einzelnen Fensterstürzen.
Fritz Weise, der sein Ingenieurstudium abgeschlossen hatte, wurde von seinem Vater 1906 in die Firma aufgenommen und heiratete 1907 Elvira Schweizer. Sie war die Tochter von Eugen Schweizer, dem Schwiegersohn des Papierfabrikanten Karl Wilhelm Scheufelen aus Oberlenningen. Max Weise hatte Schweizer 1906 die Schraubenfabrik in Dettingen verkauft. 1908 erhielt Fritz Prokura, 1903 wurde er Mitinhaber.
Nach dem Krieg beherbergte Elvira Weise auf Vermittlung des aus Kirchheim stammenden späteren Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier eine Gruppe von aus Schlesien vertriebenen Hochadeligen um Davida von Moltke.
1974 wurde die Villa an das Land Baden-Württemberg verkauft. Es ist heute Sitz des Polizeireviers Kirchheim.

(Nach Sieber, Eberhard: Gründerzeitliche Villenarchitektur und repräsentativer Fabrikbau, Schriftenreihe Stadtarchiv Kirchheim unter Teck Bd. 38/2016, S. 54 ff.)