Philipp Jakob Manz – Wegbereiter in Kirchheim unter Teck
Philipp Jakob Manz (1861–1936) zählt zu den bedeutendsten Industriearchitekten der Jahrhundertwende und der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Seine Laufbahn begann in Kirchheim unter Teck, wo er spätestens 1892 ein eigenes Architekturbüro gründete. Der rasche Erfolg führte 1901 zum Umzug nach Stuttgart. Bis heute besitzt Kirchheim mehr erhaltene Manz-Bauten als jede andere Stadt.
Sein besonderes Erfolgsrezept war ein für die damalige Zeit außergewöhnliches Gesamtkonzept. Manz plante nicht nur Fabrikgebäude, sondern entwickelte komplette Industrieanlagen einschließlich der technischen Infrastruktur. Auch Unternehmervillen, Angestelltenhäuser und Arbeitersiedlungen gehörten zu seinem umfangreichen Werk.
Dank moderner Bauverfahren, serieller Vorfertigung und einer straffen Organisation konnte Manz selbst große Fabrikanlagen innerhalb kurzer Zeit errichten. Seine Zuverlässigkeit bei Kosten und Terminen brachte ihm den Beinamen „Blitzarchitekt“ ein.
Mit Niederlassungen in Stuttgart und Wien sowie Bauprojekten in weiten Teilen Europas entwickelte sich sein Büro zu einem der führenden Planungsbüros seiner Zeit. Bis zu 100 Architekten entwarfen jährlich rund 80 bis 100 Bauprojekte.
Philipp Jakob Manz trug entscheidend dazu bei, den Industriebau als eigenständige architektonische Bauaufgabe zu etablieren. Seine funktionalen und technisch durchdachten Entwürfe machten ihn zu einem Wegbereiter der modernen Industriearchitektur.
Konzept der Erinnerungstafel zu Philipp Jakob Manz: Barbara Honecker
Texte und Umsetzung der Homepage: Stadtarchiv Kirchheim unter Teck in Zusammenarbeit mit der Projektgruppe des Verschönerungsvereins Kirchheim unter Teck
- 22.12.1861 Philipp Jakob Manz wird in Kohlberg als unehelicher Sohn von Rosina Katharina Schaich, Metzgerstochter, geboren. Als er drei Jahre alt ist, heiratet die Mutter den Vater Johann Jakob Manz aus Urach. Der Sohn bekommt den Nachnamen Manz.
- 1876 Tod der Mutter, Vater und Sohn ziehen nach Stuttgart
- 1877 Lehre als Steinhauer ein Jahr, gleichzeitig Studium an der Stuttgarter Baugewerkeschule, Abgang von der Schule ohne Abschluss, da er im Büro Otto Tafel (ehemaliger Professor) von 1882-1891 als Architekt arbeitet. (Das Büro Tafel ist in der Zeit für die Firma Otto in Wendlingen tätig, Manz arbeitet vorwiegend dort). Zusatzqualifikation als “niedriger Wasserbautechniker“.
- 1892 Gründung eines eigenen Büros „Spezialbau für Industrie- und Wasserbauten“ in Kirchheim unter Teck bis 1901, Wohnung in der Bahnhofstraße (heute Kolbstraße)
- 1895 Heirat mit Elisabeth Nestel aus Kirchheim unter Teck (1896 Geburt Sohn Max, 1897 Geburt Tochter Hedwig, 1906 Geburt Tochter Gertrud)
- 1901 Umzug nach Stuttgart, Büro im Friedrichsbau, ab 1908 wird die Zweigniederlassung in Wien aufgebaut.
- 1910 Bau eines repräsentativen Hauses in Stuttgart Danneckerstraße 54 (zerstört im Zweiten Weltkrieg, heute Sitz der Architektenkammer Baden-Württemberg im Haus der Architektinnen und Architekten)
- 1912 Verleihung des Titels „Baurat“ aus Anlass der Eröffnung des Königin-Charlotte Gymnasiums (heute Hölderlin-Gymnasium Hölderlinstr.28) in Stuttgart
- 20er Jahre sukzessive krankheitsbedingter Rückzug aus dem Berufsleben
- 1929 Neubau eines Bürohauses in der Kronenstraße 24 Stuttgart, sog. Ulrichsbau ((heute verändert) Mitarbeit des Sohnes Max
- 1936 Tod in Stuttgart. Das Büro“ Baurat Manz“ wurde vom Sohn Max bis zu dessen Tod im Jahre 1968 weitergeführt, nach dessen Tod übernahmen die Enkel Peter und Günter Manz, bis es 1994 in das Büro AMP Architekten Manz Partner umbenannt wurde.
- Biographie erstellt von Barbara Honecker
- Fekete, Julius: Württembergische Biographien 1 (2006), 170-172
- Renz, Kerstin: Industriearchitektur im frühen 20. Jahrhundert. Das Büro von Philipp Jakob Manz. München 2005 (Diss. Universität Stuttgart 2003)
- Sieber, Eberhard: Gründerzeitliche Villenarchitektur und repräsentativer Fabrikbau, Schriftenreihe Stadtarchiv Kirchheim unter Teck Bd. 38/2016
- 1897-1928 Spinnweberei Heinrich Otto &Söhne zahlreiche Fabrikations- und Wohnbauten, Wendlingen am Neckar (z.T. zerstört)
- Ab 1899 Aesculap, Tuttlingen (u.a. Verwaltungsbau erhalten)
- 1899-1900 Germania Linoleum Werke, Bietigheim-Bissingen Bausumme 1,5 Mio Reichsmark, Bauzeit 6 Monate (zerstört)
- 1903 Spinnerei und Weberei Gminder, Reutlingen (erhalten)
- 1903-04 Volksbad, Heidenheim (verändert)
- 1904-07 und 1909/10 Salamander Werke, Kornwestheim (erhalten)
- 1909 Spinnerei Weberei Augsburg (SWA) (heute erhalten als Glaspalast)
- 1909 Luftschiffbau Zeppelin GmbH Werftanlage, Friedrichshafen (zerstört)
- 1912 Emil Behr Möbelfabrik, Wendlingen Pförtnerhaus (erhalten)
- 1913/14 Österreichische Waffenfabriksgesellschaft, Steyr Österreich (erhalten)
- 1916-17 Uhrenfabrik Junghans Terrassenbau, Schramberg (erhalten)
- 1916-18 Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik Bau A, Karlsruhe (verändert heute ZKM)
- Diese Werkauswahl wurde von Barbara Honecker verfasst
Die Gebäude von Manz in Kirchheim unter Teck
- 1. Villa Max Weise
- 2. Villa Fritz Weise
- 3. Comptoirgebäude Weise
- 4. Kutscherhaus Weise
- 5. Fabrikbau Faber
- 6. Villa Oehler
- 7. Villa Jäger
- 8. Villa Müller
- 9. Villa Glöckler
- 10. Villa Battenschlag
- 11. Villa Haag
- 12. Villa Weitzmann
- 13. Villa und Kontorgebäude J.J. Müller
- 14. Spinnereineubau J.J. Müller
- 15. Wilhelmshospital Bäderbau
- 16. Villa Günther
- 17. Fabrikanbau Ficker
- 18. Maschinenhaus und Kesselhaus Ficker
- 19. Villa Wiest
- 20. Villa Schmid